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Des Europäischen Herolds zweyte Haupt-Handlung
cavalierement/ welche nicht mit degen und Pi-stolen/ sondern mit predigen und pcrlvsffonenmüsten eingepflantzet werden. Es würden soviel ehrliche leute anbettelstab gebracht/ so vielfamilien ruiniret; sie wären mehr erbarmungals Verfolgung werth. Frankreich käme ihrvor wie ein krancker/ dem man arm und deineabschnitte / um ihn von einem schaden zu be-stellen/welcher mit der zeit und gedult ohne sol-che ablösung wäre zu heilen gewesen. Es wä-re auch sonst unglaublich / daß Franckreich ver-minen solte/ die keher zu bekehren und guteCatholische christen daraus zu machen/ zu einerzeit/da man so empfindliche beeinträchtigungengegen den respect derkirchen vornehme/ und dadie ganhe Frantzöische kirche zu rebelliren an-fienge/und filche propolitioncs bey dem letzten87nocio gethan/welche in der that mit denen sa-tzungen dcr Reformirten übereinstimmeten rc.
A. 1622 als man die Reformirten vorzeitenetwa so offt mit friedens-vorschlä^en und Edi-kten betrogen hatte/sagte der Präsident Jean-nin/dcme es sonst an eyfcr vor die Römisch-Ca-tholische religion nicht ermangelte/ aus trieb desgewissens und der Wahrheit/und zu rettung desKönigs so offt proLtuirter parole und ehre:Es ist recht und billich/ daß ihnen (denen Re-formirten die Plätze zu ihrer sicherheit) selbigeaccordirer werden/um sie zu bedecken gegen un-sere untreu und boßheiten/ nach dem wir sie soofft schändlich betrogen haben. Man glaubt/es habe/da es bey denen letzten zelten zehnmahlarger als dazumahl gewesen/der Präsident nochvielbarmhcrtzkgebrüder in Franckreich gehabt/die mißgebilliget/daß sich der König des göttli-chen relervsts/nemlich über die gewissen zu herr-fchen/angemaßet/und nun den zwang aufsolchegrausame Mittel erstrecket habe/ob sie sich gleichnicht sehr damit hören lassen börsten. Vor-mahls zwar hatte der genuß des ruhestandesbey denen von der religion solchen fegen nachsich gezogen/daß A. 1619 deren anzahl auf vielehundert tausend einwohner und über 702 kir-chen in Franckreich gerechnet worden. DieProvintzicn/ darinnen sie gewöhnet/ und ihrexercitium am meisten getrieben/ sind la Bour-gognc/ Normandie/ Bretagne/ Am'ou/ Berry/Poitou/ Laintonge/Rochelle/ Aquitainebasse/Guienne/Languedoc/ Sevennes/ Vivare;/Dauphine/ Provence. Als der Cardinal Ri-chelieu am Königlichen Hofe zur prsepotenr kom-men/ hat er die von der religion aufs neue mitschwerdt und feuer verfolget / ihnen in einemjähre zoo schlösser weggenommen / Rochelle/Montauban und andere feste örter -lsmoliret/und ihnen die Mittel/sich zu widersetzen/ cmzo.gen. Dieweil er ihnen aber gleichwohl/ nachinnhalt des zu Nantes aufgerichteten pacikca-tlon-Edicts/diefreyheit der religion wiederumgelassen/ist Franckreich mit sich selbst wieder vcr-einigt/und die treue der Hugenotten die stärck-ste stütze des Staats und der suchenden Monar-chie worden. Man hat ihnen aber nach derzcit/wie oben erzehlet worden/ zumahl da manden Staat nun gnugsam/ und sonderlich auchgegen die Hoheit desNömischen stuhls offerieret/die conäiffone; nicht gehalten/sie heimlich undöffentlich gedruckt/und die emißroffon undaus-ziehung aus dem Reiche hierdurch veranlasset/
viele Grosse durch ehre/gnade und zeitliche be-quemlichkeiten zu derCatholischen religion ge-locket/ und keine gelegenheit versäumet obge-meldtes Edict zu unterdrücken / biß selbiges ob-gedachter maßen nicht ohne viele Verfolgungund grausamkeit bewerckstclliget/und zu solchemende die dragoner zu mißionaires gemachet wor-den. Denn man hat die meisten kirchen äemo-liret/ alle Officirer ihrer chargenentsetzet/ unddurch tauftnd arten derlist und zwangs es da-hin gebracht/daß viele viele tausend fielen ausFranckreich/theils mit Hinterlassung ihrer mei-sten güter/ in Engelland/Holl-und Teutschlandentwichen sind/biß sie endlich ohne unterschiedder Personen und des standes in die messe oderauf die galeren gehen müssen/ nachdem ihnenauch das ffebile deneffeium emlArstionix zuletztnicht mehr verstattet worden; Wodurch sichaber der König bey der menge der Unterthanen/bey den abgaben/denen conluimionen bey demcommercio und sonsten grossen schaden gethan/wofür die Königin Christina vorher gewarnethatte. Sonst hat sich diese kirche nach der Ge-nevischmkirchen-oZenäg gerichtet/und in vielenartickeln von der Englischen äffcrepiret. Ihreffuclia hatten sie fürnemlich zu Saumur undMontauban.
Hienechst werden auch kemeJuden inFranck-Jude» wer»reich und in denen coolsten geduldet/ als nurzu Metz/ welche durch ihren pferde-handel inreichgedul,Teutfchland dem König bißhero gute dienste/""'seinen feinden hergegen schaden gethan haben.
Die Universitäten in Franckreich sind Die Umverqfolgende: Paris derschauplatz aller künste undkacultäten/ und aller exercilicn/ inmassen sieüber so colleZio hat. Ihr stiffter ist RayserCarl der Grosse; ihre Hoheit aber rühret ausder VerleihungL. Roberts her: Dahero nachden zeiten Petri Lombardi dieselbe dermaßenzugenommen/ daß die kecfforex fast gantz Pa-ris regieret / und sich so gar den Röntgenwidersetzet haben. In denen Promotion!- !bux publicix haben sie den Rang vor denen !Päbstlichen Legaten/ Cardinälen/ pgnlm? ffran-c>L und allen Grossen / welches kein keffor ,jn der gantzen welt mehr hat. Dasberühmteste LollegiumH^eologicum ist die 8or-bonne und das von Navarra. Jenes istfuncli-ret A. 1250 von Robert de 8orl>onne, des heil.i.uäovici bricht-vater: Dieses aber A. 1304von Johanna Königin von Navarra/ K. Phi-lipps pulcNri gemahlin. Ihr Provisor ist derErtz-Bischoffzu Paris. Die übrigen Univer-sitäten sind zu Toulouse/Bourdeaux/Poitiers/
Orleans/ welche letztere wegen des Juris Ci-vilis berühmt/Bourges/Angers/ Caen/Mont-pelier/ auss welcher das ffuäium meckcum ffo-riret/ Cahors/Nantes/Rheims/ Valence/ Aix/Avignon/Pont a Mousson/Besancon/ Dou-ay. Hierüber giebt es noch stattliche colleZi«in Franckreich/ als zu Rouen/Lyon/Tournon/zu la Fleche/ Jully/ und anderswo mehr.
Die /^csclemic krsn^oile hat sich durch ihl^k'Academffschöne schrifften in gantz Europa berühmt ge-^'"^'macht/ deren Ursprung folgender ist: Um dasjähr 1629 fasteten einige gelehrte leute den schluß/alle woche einmahl bey einem unter ihnen zu-sammen zu kommen/ unerachtetsiein verschiede-nen gegenden derstadtParis wohneten/und die-se er-