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Die Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane / Theodor Kocher
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Makroskopisches Bild der Nebenhodentuberkulose.

Wandungen zuerst kleinere und dann grössere Käseherde bilden mithellgelbem, käsigem, schmierigem oder dünnerem Inhalt und, bei Ver-grösserung der betreffenden Caverne, Ausbildung eines dünnem oderdickem grauröthlichen Granulationsgewebes auf der Wand. DurchVerkäsung kann auch dieses Granulationsgewebe in einen schmierigengelben Belag sich umwandeln. Nach aussen liegt statt des derben,graulich infiltrirten tuberkulösen Gewebes zuletzt nur noch zähesBindegewebe, und es kann auf diese Weise aus einem anfänglichcharacteristischen Käseherd makroskopisch das Bild eines gewöhnlichenAbscesses sich entwickeln.

§. 725. Die Nebenhodentuberkulose stellt sich also wesentlichdar als eine käsige Entzündung mit ulcerös eiterigem Katarrh. Ganzanalog verhält sich die Tuberkulose des Vas deferens, welche sichgewöhnlich mit jener combinirt findet. Auch hier sitzt die tuberkulöseInfiltration resp. die käsige Entzündung wesentlich in der Wand unddurch Wucherung und Zerfall von Zellen sammt dem Epithel wirdein schmieriger gelblicher Brei geliefert, welcher das Lumen ausfüllt.

Das Vas deferens schwillt entweder gleichförmig zu einem oft finger-dicken Strang an oder zeigt knotige oder spindelförmige Verdickungen,durch Infiltration mit schwefelgelben Käsemassen gebildet, welcheauch nach dem Lumen zu Vorragungen bilden. Die Hauptverdickungbetrifft die Mucosa, sodann die Muscularis, während die Adventitiakaum verdickt erscheint. Auch hier handelt es sich um die kleinzelligeInfiltration des Bindegewebes mit reichlicher Gefässentwickelung. DasLumen ist anfänglich nicht weiter als normal; bei Druck tritt etwaskäsige Masse aus; später sammelt dieselbe sich in grösseren Quanti-täten an, wenn die Wand durch Zerfall der inneren Schichten desZelleninfiltrates zu Grunde geht. Auch um das Vas deferens herumkönnen käsige Abscesse entstehen. Das Samenstranggefässbündel istgewöhnlich normal.

§. 726. Im Hoden selber ist es der seltenere Fall, dass das Bilddemjenigen des Nebenhodens gleicht, d. h. dass die Erkrankung in Formeines käsigen Katarrhs den Hodenläppchen entlang im Verlauf derSamencanälchen sich ausbreitet. Exquisite Anfangsstadien dieser Formhaben wir nur 2 Mal gesehen: ein erstes war ein Präparat, welchesuns durch die Güte unseres befreundeten Collegen Dr. Kottmann zuging.Hier enthielt die faustgrosse Geschwulst in dem schwieligen Neben-hoden im obern Theil eine Höhle, mit einer dicken, sammetartigenGranulationsmembran ausgekleidet. Das Rete testis erschien diffushellgelb, ebenso die Hodencanälchen bis zur Peripherie, während dieSepta, etwas unregelmässige Furchen bildend, als graulich-sulzige Zügezusammenliefen. In den gelben Parthien erschienen zum Theil läng-liche und punktförmige Lumina. Die Scheidenhäute verwachsen. Wirwollen zu dem Fall gleich bemerken, dass er einem 30jährigen Manneangehörte, der im dritten Monat nach Eintritt der Erscheinungen zurCastration kam. Die Affection hatte sich nach zweimaligem Traumaplötzlich mit grosser Heftigkeit entwickelt und zeigte auch zur Zeitder Beobachtung von Dr. Kottmann noch entzündliche Erscheinungenwie bei gelinderen Formen acuter Orchitis. Der Samenstrang war