Makroskopisches Bild bei Hodentuberkulose.
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stark verdickt, der andere Hode war ebenfalls etwas vergrössert, wenigschmerzhaft auf Druck. Analog waren die Verhältnisse bei einem Falleigener Beobachtung: Der Nebenhode war nicht stark vergrössert,zeigte aber das Bild des Anfangsstadiums, wie wir es geschilderthaben; an Stelle des Rete testis war hier ein nussgrosser Abscess, mitdickem, gelbweissem Inhalt, nach aussen eröffnet, die Eintheilung derSepta und Hodenläppchen deutlicher als normal, in den Läppchen diekäsigen, gewundenen, weissgelben Samencanälchen makroskopischdeutlich sichtbar; von circumscripten Knoten war gar nichts vor-handen. Ein drittes Präparat unter Nr. 2420 A. sahen wir in derHunter’schen Sammlung. Wenn diese Formen weiter fortschreitendurch Verkäsung der Wand, analog wie beim Nebenhoden, so bildensich zahlreiche Käseherde oder Abscesse ohne irgendwelche starre,diffuse Infiltration. In noch weiterer Ausbildung gehen diejenigen Fälledaraus hervor, wie wir sie schon bei den multipeln Hodenabscessenals der Tuberkulose verdächtig geschildert haben, wo mehrere grössereund kleinere Abscesse im Hoden combinirt sind, zum Theil mit rahm-artigem, flüssigem Inhalt. Wenn man sich diese käsigen katarrhalischenFormen der Hodentuberkulose nicht in der Weise, dass grössereAbscesse entstehen, sondern — wohl bei langsamerer Entwickelung undbesserer Gefässbildung — nach der Richtung weiter ausbilden lässt,dass das Bindegewebe sich erheblich verdickt und die Verkäsung nirgendszu Erweichung fortschreitet, so müssen nothwendiger Weise Bilder ent-stehen, wie wir bei der diffusen chronischen Orchitis sie geschilderthaben.
§. 727. Anders ist das gewöhnliche Bild der Hodentuberkulose.Bei der primären Tuberkulose des Hodens finden sich in der Regelgrössere Knoten, haselnuss bis nussgrosse, daher auch nur einer oderwenige gleichzeitig. Ist das ganze Organ erkrankt, so erscheint es alsein sehr harter Körper mit entweder ziemlich homogener Schnittflächeoder öfter unregelmässigen Zeichnungen auf dem Durchschnitt (Fig. 73).
§. 728. In anderen Fällen liegt nur ein heller, gewöhnlich gelblich-weiss aussehender Knoten in dem sonst gesunden Hodengewebe, ganzähnlich wie bei den Grummata der Syphilis. Derselbe ist viel derber 1als die Umgebung, ragt über die Oberfläche vor. Den Rand desKnotens bildet oft ein grauröthlicher, mit dem Knoten vorragenderSaum, welcher aber keine Kapsel und keine scharfe Trennung gegendie gesunde Hodensubstanz bildet, wie wir sie bei den abgekapseltenHodenabscessen kennen gelernt haben.
Im Verlaufe tritt in der Mitte der gelblichen Knoten eine Er-weichung auf unter Bildung eines schmierig käsigen, meist gelblich-weissen Breies. Der grösste Theil des Knotens kann zerfallen, dieRandparthien werden derber, gehen aber stets noch unmerklich in dieUmgebung über; die Innenfläche überzieht sich mit einer schmierigenpyogenen Membran. Es bildet sich eine Caverne. Diese kann auf-brechen und zu Fistelbildung Anlass geben.