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Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
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Der

geheime

oder

Neben-Traktat

FeierlicheAudienzvor demfranzösischemDirektorium.

stände konnte übrigens erst durch neue Geldopfer unserer-seits in Erfüllung gebracht werden ; denn ein Theil derersteren war bereits schon an den Stückgiesser Dartin inStrassburg verkauft. Indessen hatten wir die Auslassungeines Artikels erhalten, vermöge dessen der helvetischen Re-publik bis zum Frieden 5000 Mann französischer Truppen inSold gegeben werden sollten. Auch enthält der sogenannteNeben- oder geheime Traktat im 2. Artikel eine Schlussstelle,durch welche der Vergleich vom 8. Floréal förmlich' von den beiderseitigen Regierungen anerkannt und bestätiget, undhiermit das zu Gunsten Berns getroffene Verkommniss sichergestellt wurde. Sie lautet folgendermassen :

«Il est convenu que par rapport au Canton de Berne,« et relativement aux titres de créances qui lui sont particu-lières, les choses resteront sur le pied, elles ont été« mises, par larrangement du 8 Floréal dernier, qui est ici« confirmé dans tout ce qui nest pas contraire au présent traité.»

Es wird dem Leser zwar nicht entgehen, wie schnödedie Schweiz von den französischen Machthabern in diesemgewaltsam aufgedrungenen Bundes werke behandelt worden.Allein, im Vergleich mit den damals geschlossenen Traktatender Holländischen und Cisalpinischen Republik, gewinnt esein weniger grelles Ansehen.

Bei Unterzeichnung dieser Traktaten wurden zwischendem mit den Unterhandlungen beauftragten beiderseitigenPersonale die gewohnten Geschenke gewechselt. Der franzö-sische Minister und seine Bureaux wurden mit Silbergerätheim Werthe von L. 35,000 tournois beschenkt; und auchZeltner und ich erhielten jeder eine Kiste mit Silbergeräthe,von beiläufig L. 12,000 an Werth.

Nach Abschluss dieses in Paris diktirten und in Aarauratificirten Bündnisses, dem eine formgerechte Auswechslungfolgte, wurden Zeltner und ich zum ersten Male mit allenFörmlichkeiten den 27. August 1798 dem französischen Direk-torium vorgestellt. Diese feierliche Audienz erregte Miss-