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Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
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Anlehen, anderen Zwangsgesetzen und Aushebung von Geisseinund Kriegsmannschaft.

Neue Dieser gespannte Zustand hemmte einigermassen den

v che Gang der Geschäfte, doch hatten meine Unterhandlungen fürAbschlüsse ( j eTI Handelstraktat ihren FQrtgang. Ich ward dadurch inHandels- einen Federkrieg mit öffentlichen Tagesblättern verwickelt,ve mif eS als der gemässigten Partei zugethan, persönlich ange-

Frankreich. griffen. Nichtsdestoweniger gelang es uns helvetischen Be-vollmächtigten , den 30. März 1799 einen äusserst vortheil-haften Handelstraktat zum Abschluss zu bringen (BeilageNr. 46), und zwar, was für die damalige Zeit selten war,ohne wirkliche Opfer, zu denen wir gleichwohl ermächtigtgewesen wären. Schon war er beiderseits, d. h. sowohl vondem französischen als helvetischen Direktorium ratificirt;allein in diesem Zeitpunkte gerade bekamen, in Folge derhäufigen Unfälle, die Schlag auf Schlag die französischenHeere betrafen, die Jakobiner wieder die Oberhand. Der Rathder 500 schlug zwar unsern Traktat zu einem Gesetze vor,allein er wurde, als ein Machwerk der Aristokratie, von demRathe der Alten verworfen.

Sturz

der

gemässigten

Partei

in

Paris.

Jenner

erhält

seine

Entlassung.

Den 31. Mai war die helvetische Regierung, die sichwegen des Vordringens der östreichischen Truppen in Luzernnicht mehr für sicher hielt, in Bern eingezogen. Von da er-hielt ich nun Post für Post Bericht von dem schlimmen Ein-drücke, den die Verwerfung des Traktats gegen mich hervor-geh rächt habe. Dahin wirkten auch besonders die Angriffeder Pariserblätter, in denen ich, als Aristokrat, übel mitge-nommen wurde, und der am 30. Prairial (18. Juni 1799) er-folgte Sturz der für mich besser gestimmten Direktoren unddes Ministers Talleyrand, *) deren erstere durch Jakobiner,

*) Talleyrand war zwar seiner Stelle entsetzt, behielt aber dennoch dasPortefeuille eine ziemliche Zeit, bis zur Ankunft seines Nachfolgers, der abwesendsich befand.