Buch 
Gottlieb von Jenner (1765-1834) : Denkwürdigkeiten meines Lebens / herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Eugen von Jenner-Pigott, Fürsprech und Mitglied des histor. Vereins des Kantons Bern
Entstehung
Seite
91
JPEG-Download
 

91

einen Brief an meinen Oheim Haller und an meinen Bedientenden Befehl, mein Gepäck hieher zu bringen.

Ich wollte diese Briefe der Post übergehen lassen,als Hauptmann Frey von Brugg, zur Aufsicht meiner Person,hei mir eintrat. Dieser zeigte mir an, er hätte den Auftrag,« alle von mir abgesandten Briefe, bevor sie der Post über-« gehen würden, dem Hauptquartier zuzustellen.» Dies ge-schah mit den gegenwärtigen, die ich ihm sogleich auslieferte.Sie wurden mir bald darauf mit der Verdeutung zurück-gesandt : «Es sei unzulässig, Briefe über die feindlichen« Linien hinaus durchzulassen. »

Da die Standes-Commission, dem Verlangen des Gene-rals Rapp zufolge, ihre Einwilligung zum Abschlüsse einesWaffenstillstandes gegeben hatte, so musste das Einrückender französischen Truppen in die Schweiz allerdings zweck-los erscheinen.

Inzwischen war mir der Umstand lästig, dass ich untermilitärische Aufsicht gesetzt war. Man hätte aus den Aeusser-ungen Rapps seihst entnehmen können, dass ich in jenemAugenblicke, so gut als früher, Berner war. Aber es istleider nur zu häufig der Fall, dass Anhänger einer gutenSache, im bis zur Leidenschaft gesteigerten Gefühl ihresRechtes, wenn ihnen das Geschick, in ihrem Sinne zu han-deln, Raum zu bieten scheint, alle, oft seihst die ihrer eigenenSache unumgänglichsten Rücksichten hintansetzen. In sol-cher Verblendung ist es ihnen dann nicht möglich, jene Unter-scheidungen zu machen, die hei klarer Besonnenheit inAnsehung Gleichgesinnter, deren besondere VerhältnisseSchonungspflichten gegen Andersgesinnte auferlegen, sichohne Mühe von seihst aufdringen würden. In solcherUeberlegung der Sache, zwar ohne Bitterkeit, doch im Gefühlmeiner seihst, hatte ich in Betreif jener gegen mich ergriffe-nen Massregel meine Beschwerden eingegeben. Mir wurdedarauf, und zwar gerade hei Gelegenheit, als ich den GeneralRapp nebst mehreren Bernern zum Mittagsmahle eingeladenhatte, meine Freiheit wieder gegeben.

Waffen-

stillstand.

Jenner untermilitärischerAufsicht.

Wiederin Freiheit.