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Darstellung der Handelsverhältnisse zwischen der Schweiz und Frankreich während des Jahres 1840 : sammt einem Rückblick auf die Verträge, Gesetze und Verordnungen, durch welche die gegenseitigen Handels- und Verkehrsbeziehungen bisher geregelt worden sind / bearbeitet von Dr. A. v. Gonzenbach, d. Z. eidgenössischem Staatsschreiber
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111
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Im Jahr 1790/ und am 15 . März und 22 . August 1791 erschienen dann in Entwicklung dessogenannten Colbertischen Systems/ Zollverordnungen/ durch welche die Einfuhr fremder Fa-brikate stärker als bisher besteuert wurden; die Zölle wurden auf die Gränze verlegt und schienendamals dem schweizerischen Handel/ von welchem sie entrichtet werden mußten/ sehr drückend;seither hat man freilich in der Zollwissenschaft so große Fortschritte gemacht und sich in derGewohnheit/ Zölle zu entrichten/ so sehr bestärkt/ daß die Rückkehr zu jenen Zöllen als großerGewinn angesehen würde.

So haben die Privilegien und Freiheiten/ welche der schweizerische Handel in Frankreichgenoß/ kurz vor dem Sturz des alten franzöfischen Königthums aufgehört.

Wir wiederholen hier/ daß jene Handelsfreiheiten und Begünstigungen im engsten Zusam-menhang standen mit den Militärkapitulationen und den durch die Schweizertruppen währendJahrhunderten der Krone Frankreich geleisteten guten und treuen Dienste. *)

Schweizerischer Seits wurde das Edikt vom Dezember 1781 niemals anerkannt/ sondernbehauptet/ es könne nicht einseitig vom Bündniß von 1777 abgegangen werden.

Bevor man sich aber dießfalls verständigt hatte/ trat in Frankreich die republikanische Franz. Republik.Regierung inS Leben.

Am 27 . Brumaire/ Jahr II ( 17 . November 1793)/ erklärte der Nationalkonvent/ er fei 17. Novbr. 1793.gesonnen/ die Verträge zwischen der Schweiz und Frankreich genau zu vollziehen/ und gleich-zeitig wurde der Wohlfahrtsausschuß beauftragt/ sich über die Mittel zu berathen/ wie diegegenseitigen freundschaftlichen Beziehungen noch enger geschlossen werden können.

Das dießfällige merkwürdige Dekret lautet im Wesentlichen wie folgt:

« La Convention nationale, voulant manifester aux yeux de tous les peuples les prin-« ripes qui la dirigent, et qui doivent présider aux relations de toutes les sociétés politiques;

«voulant en même tems déconcerter les mouvemens employés par ses ennemis pour«alarmer sur ses intentions les Alliés de la République, particulièrement les Cantons« Suisses et les Etats-Unis dAmérique, décrété ce qui suit :

« 1) La convention nationale déclare au nom du peuple français que sa résolution«constante est dêtre terrible envers ses ennemis, généreux envers ses Alliés,

«juste envers tous les peuples;

« 2) Les traités qui lient la France aux Etats-Unis dAmérique et aux Cantons« Suisses seront loyalement exécutés.

«5) Le Comité de Salut public et chargé de soccuper des moyens de resserrer«de plus en plus les liens de lalliance et de lamitié qui unissent la république«française aux Cantons Suisses et aux Etats-Unis dAmérique.

« 6) Dans toutes les discussions sur les objets particuliers il prouvera aux Cantons«Suisses et aux Etats-Unis dAmérique, par tous les moyens compatibles avec«les circonstances impérieuses se trouve la république, les sentimens déquité,

«de bienveillance et destime, dont la nation française est animée envers eux, »**)

*) ES tti um so auffallender, daß in neuerer Zeit gerade in Handel treibenden Kantonen so vieleVorurkheile gegen den Kriegsdienst der Schweizer in Frankreich herrschten.

Die Ausbildung von Kriegsleuken (Offizieren und Soldaten), welche vormals in fremdem Kriegs-dienst stattfand, ohne irgend welche Ausgabe für die Schweiz, wird jetzt auf eigene Kosten versucht.

Der Landel ist es namentlich, welcher die dafür nöthigen, zu der übrigen Staatsverwaltung außerallem Verhältniß stehenden Summen aufbringen soll; denn die verhältnißmäßig bevölkertsten, Handel,treibenden Kantone haben im gleichen Verhältniß auch mehr Truppen zum Bundeskontingent zu liefern.

**) Nsrtens, Uecueil ster traités, Tom. VI. pag, 446.