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Derselbe ist bekannt und gehört der Weltgeschichte an. Eswurde darin ausgemacht, daß innerhalb dreier Monate derdefinitive Friede abgeschlossen sein sollte. Aber weniger bekanntist, daß zu dem einen der beiden Friedenskongreßorte Bernbestimmt wurde: hier sollte über den Frieden mit Oesterreichverhandelt werden, in einer deutschen Stadt über den Friedenmit dem Reiche.
Für uns Berner ist es nun nicht uninteressant, in denweitern Verhandlungen zwischen Bonaparte und dem Kaiserden entschiedenen Widerwillen des erster« gegen Bern wahr-zunehmen und schon hier eine Art von Ungnade zu entdecken,die bei des Generals Reise über Bern und im Gegensatz zuseiner sonst der Gesammtschweiz nicht ungünstigen Gesinnung,allerdings auffällt.
Beim Abschluß der Friedenspräliminarien hatte Oesterreichausdrücklich Bern zum ersten Kongreßort verlangt und Bona-parte ungeduldig, denselben abzuschließen, sich OesterreichsWünschen gefügt.
Allein schon am 5. Prairial (24. Mai) bei Auswechslungder Präliminar-Ratifikationen zu Montebello (unweit Mayland)gelang es Bonaparte, den Marquis von Gallo zu überreden,auf Bern als Kongreßort zu verzichten.
Sobald dieß in Wien bekannt wurde, gerieth des KaisersPremierminister Thugut in nicht geringen Zorn über diese Ab-weichung von den Verträgen und sandte den Grafen Meerfeldan Bonaparte mit dem bestimmten Auftrag, an Bern festzuhalten.
Dieß geschah am 1. Nessiüor (19. Juni). Doch in nichtgeringen Zorn gerieth der französische Sieger. „Zwei Monate„bereits" — brauste er auf — „seien in fruchtlosen Unter-„handlungen verstrichen, der dritte vor der Thür und sei bei„Ablauf desselben der Friede nicht geschlossen, so erkläre er„denselben für nichtig." — Da fügte sich auch Meerfeld undUdine, auf venetianischem Gebiet, an Oesterreichs Grenzen,wurde an die Stelle von Bern zum Kongreßort für den Friedenmit Oesterreich gesetzt.