5
Er theilt vollkommen die Ansicht von Heidenhain und Col-berg.
Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kam Rosenthal 1 )- Auch erführte bei Kaninchen, ferner bei menschlichen Leichen (freilich scheintdie Zahl der letzteren keine grosse gewesen zu sein) eine Messing-canüle in einen Ureter und mass nun die Flüssigkeitssäule, bei wel-cher Urin durch den Penis abfloss, nachdem die Blase ganz gefülltwar. Seine Ansicht über den Blasenverschluss spricht er aus in denWorten: „Sphincteris vis elastica, quae est superanda, maxima esseclaudendi vis videtur, cujus rei argumentum hoc est, quod aquae alti-tudo post mortis rigorem et multa experimenta instituta tarn celeriterminuebatur.“ Mit dem „multa experimenta instituta“ weist er aufdie von ihm gemachte Beobachtung hin, dass in jedem an einemspäteren Tage an derselben Leiche vorgenommenem Experiment dieDruckhöhe sank, dass also der früher forcirte Sphinkter stets weni-ger Widerstand leistete. Er glaubt, dass der Urin nicht leicht aus-fliesse bei der todten Blase, indem das elastische Gewebe des Mus-kels den Ausgang verschliesse, ein Verschluss, welcher durch dieTodtenstarre des Muskels bedeutend an Festigkeit gewinne. Er weistausdrücklich darauf hin, dass er in einigen Fällen, wo die Todten-starre vorüber zu sein schien, trotzdem sehr hohe Druckwerthe fand(bis 180 Cm.).
Rosenthal’s Druckwerthe sind im Ganzen viel höher als dievon Heidenhain und Colberg. Letztere glaubten zuerst, der Irr-thum beruhe darauf, dass Rosenthal seine Experimente währendder Todtenstarre angestelit habe; allein da sie bei an todtenstarrenThieren angestellten Versuchen auch tiefere Zahlen fanden, gelangtensie zum Schluss, dass der Grund des Irrthums „in Umständen liege,die zu ermitteln sie nicht im Stande waren“, v. Witt ich zeigtenachher, dass die Differenz wahrscheinlich davon herrühre, dass dieExperimente nicht ganz gleich angestellt waren, dass sie aber zumgleichen Resultat geführt hätten, nämlich zur Annahme, dass dertodte Sphinkter einen geringeren Widerstand leiste als der lebende.
Den stricten Beweis, dass die Ursache der Harnretention nichtdie Todtenstarre allein sei, lieferte später v. Witt ich mit Rosen-thal 2 ) zusammen. Sie untersuchten die Tragfähigkeit des Blasen-verschlusses vor, während und nach der Starre nach derselben Me-thode durch Einführen einer Messingcanüle in einen Ureter, die sie
1) De tono cum musculorum tum eo in primis. Dissert. Begimont. 1857.
2) v. Wittich, Anatomisches , Physiologisches und Pathologisches über denBlasenverschluss. Königsberg 1858, und Jahrbuch II. 12.