« Abhandlungen von den Liedern
Lieder; 6 aber es ist doch sehr glaublich/ daß man diemeiste Zeit dergleichen brauchte, weil diese Art vonUnterricht den Vortheil hat, daß sie wegen ihres leich-ten und ungekünstelten Wesens, und wegen ihrer Kürze, 7mehr, als alle andern, nach dem Begriffe aller Men-schen ist.
Wie die Buchstaben in den Schyos Griechenlan-des aufgenommen waren , und darinn die Künste undWissenschaften erzeugten; so erweckten die Lieder einweiteres Nachsinnen über die Melodie und über dieWorte, wovon sie zusammen gesetzet waren. Die Ge-danken über die Melodie gaben zu den Regeln der Mu-sik Gelegenheit, und die Gedanken über die Wortebrachten nach und nach die Regeln der Dichtkunst her-vor. Anderseits erhoben die Musik und die Poesie denWerth der Lieder, und brachten sie zu einem Gradeder Vollkommenheit, den sie in allen vorigen Jahrhun-derten nicht hatten erreichen können. Die natürlicheOrdnung, welche die Künste in ihrem Fortgange ge-halten , giebt uns genug zu erkennen, wie die Dicht-kunst , die Musik und die Lieder auf diese Art von