54-6 Streitigkeiten
ten Urtheile des Auguftini im Wege stehen, oh-ne historischen Beweis und selbst wieder dieChronologie der Schriften des leztern vorgeben,Pelagius sey erst tugendhaft gewesen, hernachaber habe er sich mit derKezerei demLaster ergeben;andere hingegen auch übertrieben vortheilhafrvon ihm sprechen. Unsere Gedanken sind diese.Pelagius war unstreitig ein Mann, der sehr vie-le Naturgaben und erlangte Fertigkeiten hatte.Dieses beweisen nicht allein die ihm von Augurstino ertheilte Lobsprüche; sondern auch die vonihm vorhandne Schriften unwiedersprechlich.Sein äuserliches Betragen und Lebenswandelwar rühmlich und unsträflich. Hier ist Augurstinus nicht allein ein ««verwerflicher Zeuge,deßen Außage durch die Achtung, welche andereangesehene Lehrer, wie Paullinus und ZosftNNls und unbescholtene Glieder der römischenKirche gegen ihn gehabt, noch bestätiget wird;sondern überwiegt auch Hieronymum undOrosl'um, deren gar zu heftige Leidenschaftihren Nachrichten die Glaubwürdigkeit benimt.Allein dem ungeachtet ist nicht zu vergehen, daßselbst Auguftinus nach ganz andern moralischenRegeln richte, als wir und alle Lobsprüche einenguten Münch, nicht aber einen rechtschaffenenChristen schildern. Die zu erzehlende Geschich-te seiner Streitigkeit liefert einige Züge, die wirgewis nicht als Merkmale eines ächten Christen-tums ansehen können. Ein sehr verschlagenerKopf war Pelagius, der aber nicht allemal auftrichtig, offenherzig und ehrlich war.
Anm. l.