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Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
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Diese Planrostfeuerungen gewöhnlicher Konstruktion bieten neben mancherleiVorteilen auch große Nachteile. Eine wirkliche vollkommene Ausnutzung desBrennmaterials wird durch sie nicht zu erreichen sein, weil sie zu sehr vonder Beschickung des Rostes mit Brennmaterial durch den Heizer abhängt. EineHauptbedingung wäre, wenn eine rauchschwache Verbrennung erzielt werden sollte,daß die Brennstoffschicht stets gleich hoch liegt.

Ist z. B. zuviel frisches Brennmaterial auf die glühende Kohlenschicht ge-worfen worden, so kann die Luft nicht genügend hindurchtreten, es mangelt anLust, infolgedessen die Rauchgase nicht verbrennen können und dem Schornsteinein starker Rauch entsteigt. Ist wiederum die Kohle zu stark heruntergebrannt,so tritt ein Überschuß an Lust ein, die Flamme wird dann zu schwach, um ge-nügende Wärme an den Kessel abgeben zu können. Durch das Öffnen derHeizthür beim jedesmaligen Aufgeben frischen Brennmaterials streicht stets kalteLuft in den Feuerraum hinein, wodurch die Temperatur in demselben bedeutendherabgezogen wird.

Wollte man kleine griesige Kohle auf einem Planrost verbrennen, so würdezu viel durch die Spalten verloren gehen. Andererseits hat die Planrostfeuerungden Vorteil, daß sie äußerst einfach ist und ihre Leistung gegenüber anderenFeuerungseinrichtungen wohl kaum zurückbleibt. Es läßt sich auch fast jedesBrennmaterial auf einem Planrost verbrennen.

Um diese Nachteile der Planrostfeuerung zu vermeiden, hat man nun Ein-richtungen getroffen, welche den Rost selbstthätig mit Brennmaterial beschicken,um stets eine gleich hohe Kohlenschicht auf dem Rost zu haben. Ich entnahmderDeutschen Techniker-Zeitung" 1901 folgendes:Für Deutschland tratdas Bedürfnis der mechanischen selbstthätigen Rostbeschickung spät ein, dieallgemeine Einführung der selbstthätigen Rostbeschickungsapparate mußte durchdas stetige Steigen der Kohlenpreise, welches zu einem sparsamen Betriebezwingt, unterstützt werden. Einen nicht unbedeutenden fördernden Einfluß habenin dieser Beziehung auch die verschärften behördlichen Vorschriften über dieRauchentwicklung der Feuerungen ausgeübt. Man trifft daher, besonders ingrößeren neueren Kesselanlagen, jetzt die vielfach mechanische Beschickungsart alsvorherrschend an. Der allgemeinen Einführung steht allerdings ein sehr ge-wichtiger Umstand entgegen. Die üblichen mechanischen Beschickungsvorrichtungeneignen sich nur für Brennstoffe von bestimmter Korngröße."

Der Kesselbesitzer ist daher in der Auswahl der Kohlensorte entsprechendbeschränkt, was auch auf die Preislage einen gewissen Einfluß ausüben kann.Besonders unangenehm kann aber die Notwendigkeit, bestimmte Kohlensorten ver-wenden zu müssen, dann werden, wenn es infolge unzureichender Kohlen-förderung überhaupt knapp an Kohlen wird. Man muß dann entweder Brech-werke benutzen, um jede beliebige Kohle entsprechend vorbereiten und verwendenzu können, oder man muß vorübergehend zur Handfeuerung zurückkehren."

Ein weiterer, wenn auch weniger wichtiger Hinderungsgrund für die all-gemeine Einführung der selbstthätigen Beschickungsapparate besteht darin, daßein mechanischer Betrieb notwendig ist, der nicht in jedem Kesselhause vorhanden

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