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Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
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dienen zum Aufschrauben des Indikators, den wir später kennen lernen werden.Die Jndikatornocken sind mit einer kleinen Bohrung versehen, die bis in dasInnere des Cylinders reicht. Während des Betriebes werden sie durch eineSchraube aus Rotguß verschlossen, die stets 1" Gewinde haben muß, da jederIndikator normal mit 1" Gewinde versehen wird.

Um der Abkühlung des Dampfes im Cylinder möglichst zu begegnen, hatman die Cylinder geheizt, d. h. man hat sie mit Mänteln, dem Dampfhemd,Dampfmantel oder Dampfjacke umgeben. Der zwischen Cylinderwand undMantel verbleibende Zwischenraum wird durch den abgehenden Dampf geheizt.Die Cylinder der Kondensationsmaschiuen werden stets geheizt.

Der ganze Cylinder wird der Wärmeausstrahlung und des Aussehenshalber umkleidet. Ein Mantel aus Eisen- oder Stahlblech bildet die Umkleidung.Der Hohlraum zwischen Mantel und Cylinderwand wird mit einem schlechtenWärmeleiter als Kieselguhr, Filz u. dergl. ausgefüllt.

Da die Form der Cylinder für die verschiedenen Steuerungsarten außer-ordentlich verschieden ist, kann hier auf eine Darstellung derselben nicht ein-gegangen werden. Wir werden in folgendem noch die verschiedensten Formen vonCylindern finden.

Wir unterscheiden von den Steuerungen nun Schiebersteuerungen, Ventil-steuerungen und Hahnsteuerungen. Die Bewegung der Schieber bei den Schieber-steuerungen erfolgt durch Excenter mit einer hin- und hergehenden Bewegung,die Bewegung der Ventilsteuerungen durch Kegelräder von der Kurbelwelle ausmit einer drehenden Bewegung, durch welche die Ventile gehoben oder gesenkt, ge-öffnet oder geschlossen werden, die Bewegung der Hahnsteuerungen ebenfallsdurch Excenter, durch welche eine Scheibe hin- und hergedreht wird, von der auswieder die Hähne hin- und hergedreht werden.

Die Steuerorgane lassen nur während eines Teiles des Kolbenhubes frischenDampf in den Cylinder strömen, so daß derselbe während des übrigen Teilesdes Hubes durch seine Expansion wirkt. Man bezeichnet diese Steuerungen alsExpansionssteuerungen.

Während eines Kolben-Hin- und -Rückganges unterscheidet man nun ver-schiedene Perioden der Dampfwirkung, welche für alle Steuerungssysteme gleich-artig gelten. Wir nehmen an, daß der Kolben in seinem einen Totpunkt steht,also am Hubende. In diesem Fall muß nun der Dampfeinströmungskanal inden Cylinder bereits geöffnet sein. Diese Kanaleröffnung bezeichnet man alsdie Voreinströmung des Dampfes oder die Voreinströmungsperiode. DerSchieber z. B. muß also um ein gewisses Maß vor dem Kolben voreilen,damit er vor dem Erreichen der Totpunktslage des Kolbens bereits den Dampf-kanal öffnen kann- Dieses Voreilen bezeichnet man als das lineare Voreilenfür die Einströmung. Die Voreinströmungsperiode dauert nun so lange, bisder Kolben in seinem Totpunkt steht, also am Hubende angelangt ist. DerKolben fängt nun an vorwärts zu gehen und es findet die Einströmung desDampfes, Füllung oder Admission statt, die Periode bezeichnet man als dieEinströmungsperiode. Diese dauert so lange, bis der Schieber den Dampf-