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Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
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Von der Vorgelegewelle aus kann die Kraft durch Riemen oder Seileauf langsam gehende Wellen und Arbeitsmaschinen übertragen werden, währendraschlaufende Maschinen, wie z. B. Dynamomaschinen, sich direkt an dieselbekuppeln lassen.

Fig. 933 6 zeigt eine Dampfturbine von 300 effektiven Pferdestärken nach Aus-führungen der Maschinenbauanstalt Humboldt in Kalk bei Cöln . Mansieht rechts die Turbine mit den einzelnen Düsen und dem Regulierventil; daranschließt sich nach links der geschlossene Kasten mit den Zahnrädern und weiterdaran die auf den verlängerten Wellen sitzenden Seilscheiben zum Antrieb einerTransmission oder von Arbeitsmaschinen.

In der Praxis haben sich die Dampfturbinen de Laval als Antriebs-maschinen sicher und ökonomisch arbeitend erwiesen. Ihr Raumbedarf ist äußerstgering.

Die Dampfturbine von Brown-Boveri-Parsons.

Wir finden in dieser Dampfturbine eine Vertreterin derjenigen Gruppe,bei welcher die Expansion des Dampfes allmählich und stufenweise stattfindetund der Dampf nach und nach durch mehrere Einlausapparate und Schaufel-räder geht. Es muß von vornherein bemerkt werden, daß diese Dampfturbinenheute die größte Verbreitung gesunden haben, sie werden von Brown, BoveriL Cie., A.-G. in Mannheim , hergestellt.

Während in der Dampfturbine de Laval in einem einzigen Schaufelradnur die lebendige Kraft des Dampfes beim Durchströmen durch die Schaufelndesselben ausgenutzt wird, wird in der Dampfturbine Brown-Boveri-Parsonssowohl die Expansionskraft, als auch die lebendige Kraft des Dampfes aus-genutzt. Der Erfinder Parsons erreichte aber auch durch die stufenweise Aus-nutzung des Dampfes den wesentlichen Vorteil einer geringeren Tourenzahl seinerDampfturbine, als de Laval.Die Elektrizität " sagt in Heft 3, Jahrgang 1905:Dies erhellt auch auf den ersten Blick, wenn man bedenkt, daß die günstigsteAusnutzung der Geschwindigkeit eines Dampsstrahles, die beim Ausströmen inein Vakuum etwa 1200 in in der Sekunde beträgt, dann stattfindet, wenn dieAnfangsgeschwindigkeit des Laufrades etwa halb so groß ist, wie die Dampf-geschwindigkeit. Läßt man also, wie de Laval dies tut, den Dampsstrahl nurauf ein Laufrad ausströmen und das ganze Druckgefälle in diesem einen Radezur Wirkung gelangen, so muß dieses Rad eine Umfangsgeschwindigkeit von etwa600 w in der Sekunde haben. Wird das Druckgefälle aber aus eine großeAnzahl von hintereinander geschalteten Rädern verteilt, so vermindert sich dieUmfangsgeschwindigkeit und damit auch die Umdrehungszahl der Laufräder ent-sprechend. Während auf diese Weise de Laval Tourenzahlen zwischen 10000und 30 000 in der Minute für seine Turbine erhält, arbeitet die Parsonsturbineje nach der Größe nur mit 750 bis 3500 Umdrehungen in der Minute, dieeine direkte Kupplung mit elektrischen und anderen schnelllaufenden Maschinen