Buch 
Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
Seite
732
JPEG-Download
 

732

ihm oderLeidener Flasche " benannte Verstärkungsflasche oder Kondensations-flasche, ein Apparat zur Verdichtung der Elektrizität. Charles A. Coulomb inParis (17361806) studierte 1788 die Verteilung der Elektrizität über ver-schieden geformte Körper (elektrische Dichtigkeit) und ferner benutzte er dieTorsionswirkung eines Seidenfadens als Erster zur Herstellung einer Bussolezur genauen Bestimmung des magnetischen Meridians. Die Gesetze der An-ziehung und Abstoßung studierte er an Hand einer auf der Torsion eines Silber-fadens begründeten Drehwage. John Cantor erfand das noch gegenwärtig fürdie verschiedensten Zwecke verwendete Elektroskop um 1765 und I. HeinrichWinkler in Leipzig verbesserte die aus den Arbeiten Guerickes hervorgegangeneElektrisiermaschine im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts durch Anbringungeines gepolsterten Reibkissens, hierdurch die Verwendbarkeit dieser Vorrichtungwesentlich erhöhend.

Ein neuer bedeutungsvoller Abschnitt begann um das Ende des 18. Jahr-hunderts mit der Entdeckung der Berührungs- oder Kontaktelektrizität von Luigi Galvani in Bologna . Er machte 1788 die Beobachtung, daß frisch enthäuteteFroschscheukel mittels eines kupfernen Hakens an ein eisernes Gitter gehängt, inZuckungen geraten, sobald der Haken das Gitter berührt. Die Schenkel warenderart präpariert, daß ihre Nerven ganz bloß lagen und nur der Wirbelknocheneinzig durch diese mit den unteren Gliedmaßen in Verbindung stand. Galvani wiederholte mehrfach den Versuch und benutzte einen aus zwei verschiedenenMetallstreifen bestehenden Verbindungsbogen zum Berühren der Scheukelnervenund Waden, wobei stets dieselben Zuckungen entstanden. Er war der Ansicht,daß das Metall der Entlader der elektrischen Froschschenkel sei, und hiernachmüßte auch ein Verbindungsbogen aus nur einem Metalle dasselbe bewirken.Alexander Volta zu Pavia bewies jedoch, daß die von Galvani geäußerteAnsicht falsch sei und daß die Berührung der verschiedenen Metalle die Quellevon entgegengesetzten Elektrizitäten sei, die sich in den Froschscheukeln ausglichenund sie hierdurch in Zuckungen versetzten. Somit wurde Volta, nachdem Reilin Halle bereits vorher diese richtige Erklärung der Versuche Galvanis an-gedeutet hatte, der Entdecker einer bis dahin unbekannten Elektrizität und gründete1800 auf seine unermüdlichen Versuche in dieser Richtung die Konstruktion dernach ihm benannten Säule- Ein nach dem Prinzip dieser galvanischen Säulevon Volta konstruierter Becherapparat ist der Vorläufer unserer galvanischenElemente. Ferner erfand Volta den Elektrophor (Elektrizitätserreger) und dasEudiometer (Apparat zum Messen des in der Luft befindlichen Sauerstoffes).Auch unterschied Volta elektrische Leiter erster und zweiter Klasse und stelltedie erste Spannungsreihe auf, d. h. er ordnete die Leiter erster Klasse in einerReihenfolge, die ihrem Leitungsvermögen entsprach. Gleichfalls im Jahre 1800fanden Carlisle und Nicholson unter Benutzung der Voltaschen Säule dieZersetzung des Wassers in seine Bestandteile durch den elektrischen Strom(Elektrolyse). I. M. v. Ritter (177?1810) entdeckte in demselben Jahre, daßdie Leiter erster Klasse, wozu außer der Kohle sämtliche Metalle gehören, sohintereinander in der Spannungsreihe zu folgen haben, wie sie aus ihren