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die Bürsten abhebt, die Hauptausschalter schließt und den Nebenschlußregulatorkurzschließt, wobei die Maschine vollen Magnetismus zeigen muß. Hierauf wirdder Nebenschlußregulator wieder langsam ausgeschaltet und die Hauptausschaltergeöffnet. Läßt man jetzt die Maschine anlaufen, so kann man mit Sicherheitauf richtige Polarität rechnen.
Das Abstellen einer Parallel geschalteten Dynamomaschine geschieht, indemsie durch Verstellen des Nebenschlußregulators soweit entlastet wird, daß dasAmperemeter auf Null steht, worauf der Ausschalter geöffnet wird.
Die schwierigere Parallelschaltung von Kompoundmaschinen erfolgt auf dieangegebene Weise unter Zuhilfenahme einer Ausgleichsleitung, die den Zweckhat, das sonst leicht eintretende Umpolarisieren. d. h. der Änderung der Strom-richtung bezw. der Pole einer Maschine zu verhindern. Man bringt die zu-zuschaltende Maschine zunächst auf die richtige Umdrehungszahl und erregt dannmittels des Nebenschlußregulators die Nebenschlußwickelung der Magnete so stark,daß der Spannungsmesser annähernd dieselbe Spannung zeigt, wie die Span-nungsmesser der übrigen bereits im Betrieb befindlichen Maschinen. Darauflegt man den Schalthebel ein, durch welchen auch die Hauptwickelung der Mag-nete eingeschaltet wird; der Schalter ist dabei für dreifache Unterbrechung ein-gerichtet und an der dritten Klemme desselben liegt die Ausgleichsleitung, durchwelche der Strom in den Hauptwickelungen der einzelnen Dynamomaschinen gleich-mäßig verteilt wird, auch wenn die Dynamos verschieden stark belastet sind.
Das Abstellen einer Maschine geschieht in derselben Weise wie bei Neben-schlußmaschinen, indem man die betreffende Dynamo durch Einstellen des Neben-schlußregulators möglichst entlastet und dann den Schalthebel öffnet.
Das Paralleleschalten von Wechselstrom- (Ein- oder Mehrphasen-)Maschinen verursachte lange Zeit große Schwierigkeiten, da die Güte desParallelbetriebes von der Übereinstimmung der Stromkurven und außerdem nochsehr wesentlich vom Ungleichförmigkeitsgrad und von der exakten Regulierfähigkeitder die Wechselstrommaschinen antreibenden Kraftmaschine abhängt. Nachdemman die Schwierigkeiten des Parallelschaltens zuerst immer in der Konstruktionund dem Gange der Wechselstrommaschinen suchte, ist man in den letzten Jahrenzu der Einsicht gekommen, daß die wahrgenommenen Übelstände durch die Be-triebsmaschine veranlaßt werden. Irgend zwei beliebige Wechselstromdynamosarbeiten, wenn sie beispielsweise von Turbinen mit absolut konstanter Winkel-geschwindigkeit angetrieben werden, anstandslos in Parallelschaltung; werden dieelektrischen Maschinen aber durch langsam laufende Dampfmaschinen mit Riemenoder Seilen angetrieben, so wird jede Unregelmäßigkeit in der Winkelgeschwindig-keit der Maschinen wegen der Vervielfachung der Umdrehungszahl durch dieTransmission vergrößert, und die zu einer anderen parallel geschaltete Wechsel-strommaschive arbeitet infolgedessen abwechselnd als Generator und als Motor,während der Übergang von einem Zustande in den anderen von schwerenmechanischen und elektrischen Unzuträglichkeiten begleitet ist. Die Bedingung fürein gutes Zusammenarbeiten in Parallelschaltung besteht (Kapp, ElektrischeWechselströme) in Verwendung einer direkt gekuppelten Dampfmaschine, wie sie
Prakt. Maschinenbauer. 109