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Frage in jedem einzelnen Falle nicht zu umgehen. Wie die Aufgabe des elek-trischen Antriebes großer Schachtfördermaschinen beim Gleichstrom-Systemzweckmäßig zu lösen ist, und welche besonderen Vorteile hierbei zu erreichen sind,möge die nachstehend gegebene Beschreibung einer Förderanlage zeigen (Fig. 1270).Für die Projektierung dieser Anlage waren folgende Zahlen angegeben:
Nutzlast 800 ir§, Förderwagen 400 ÜA, Förderschale 800 irZ, Seilgewicht1,5 pro rri, Anschlußteile für das Seil 75 ÜA, Gesamtförderung in einer8-stündigen Schicht 200 t, Zahl der Aufzüge in 1 Stunde 32, Geschwindigkeitdes Seiles bei Lastförderung 6 m i. d. Sek., Geschwindigkeit bei Menschenfahrt3 in i. d. Sek., Geschwindigkeit bei Revisionen höchstens 0,3 m, Schacht-teufe 200 in.
Der Schacht, der mit dieser Förderanlage auszustatten war, ist ein blinderSchacht, sodaß die Fördermaschine unter Tage aufgestellt werden mußte. Siehat von der 500 m Sohle auf die 300 m Sohle zu fördern, von wo einevorhandene Dampffördermaschine zu Tage hebt. Bevor die elektrische Anlagein Betrieb genommen war, besorgte eine mittels Druckluft-Motors angetriebeneMaschine die Förderung, die jedoch einen außerordentlichen großen Kohlenver-brauch ergab und auch die verlangte Leistungsfähigkeit nicht erreichte. Man sahsich daher genötigt, eine vollkommenere Anlage aufzustellen und wählte hierfürden elektrischen Antrieb. Als Strom-System ist, wie bereits erwähnt, dasGleichstrom-System, und zwar mit.einer Betriebsspannung von normal 500Volt gewählt worden. Die Verwendung von Gleichstrom ergab die folgendenschwerwiegenden Vorteile. Einmal konnte zum Ausgleich der durch den Betriebder Fördermaschine gegebenen starken Belastungsschwankungen eine Akkumulatoren-batterie als Pufferbatterie benutzt werden, sodaß für die Dampfmaschine an-nähernd konstante Belastung, die Vorbedingung eines geringen Dampfverbrauches,gegeben war. Ferner ließ sich eine direkte Kuppelung zwischen dem Elektro-motor und der Trommelwelle ausführen, welche normal mit 70 Umdrehungenpro Minute arbeitet.
In Fig. 1270 ist die der Aktien-Gesellschaft Thiederhall gelieferteFörderanlage abgebildet, deren wichtigste Einzelheiten folgende sind:
Zum Antrieb der Trommelwelle sind zwei Gleichstrom-Nebenschlußmotoren,die entsprechend der vorgeschriebenen Förderung für eine größte Leistung vonje 150 U8 gebaut sind, vorgesehen, um ohne Verlust in Widerständen, durchHintereinanderschaltung beider Motoren die halbe Geschwindigkeit, d. h. denfür Personenfahrt vorgeschriebenen Betrag von 3 m pro Sek. einstellen zukönnen, während sich bei Parallelschaltung der Motoren und bei 500 Volt Be-triebsspannung eine Fördergeschwindigkeit von 6 in pro Sek. ergiebt. Diemechanischen Verluste der Anlage sind dadurch auf ein Minimum reduziert, daßdie Anker beider Motoren freifliegend auf die beiden Wellenenden gekeilt sind,so daß die ganze Welle nur in zwei Lagern läuft. Letztere sind mit der zu-verlässig und sparsam arbeitenden Ringschmierung ausgestattet. Die Welle istso dimensioniert, daß die durch das Gewicht der Anker veranlaßte Durchbiegungnicht mehr als 0,2 mm beträgt, so daß auch ein ruhiges und funkenfreies