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Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
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Arbeiten der Kommutatoren gewährleistet ist. Die Anbringung der Motor-anker freifliegend auf den Wellenenden ermöglicht außerdem eine leichteund schnelle Demontage, so daß man bei eventueller Störung an einem Ankerdenselben in kürzester Zeit gegen einen in Bereitschaft gehaltenen Reserveankerauswechseln kann.

Zur Bethätigung beider Motoren sind ein gemeinsamer Anlasser und eingetrennt von diesem aufgestellter Umschalter vorgesehen. Das zum Anlassergehörige Widerstandsmaterial ist abseits von der Fördermaschine unter dem Flurangebracht und mit Rücksicht auf eine möglichst günstige Abkühlung frei auf-gehängt. Der auf dem Bedienungspodium stehende Schaltapparat des Anlassersenthält außer den Kontakten zur allmählichen Ein- und Ausschaltung der Wider-stände noch eine Schaltwalze, mit Hilfe derer die Motoren auch so geschaltetwerden können, daß sie als Dynamomaschinen auf elektrische Widerstände arbeiten,also elektrisch gebremst werden. Ferner ist in ihm eine besondere von derSiemens L Halske A.-G. zum Patent angemeldete Schaltung ausgeführtworden, die es ermöglicht, die Tourenzahl der Motoren für Seil- und Schacht-Revisionen so weit zu reduzieren, daß die Fördergeschwindigkeit, wie die Ab-nahmeversuche ergeben haben, sich auf rein elektrischem Wege bis auf 0,13 m x. s.reduzieren läßt, während sie unter Zuhilfenahme der Bremsen sogar bis auf45 am verringert werden kann.

Da die Zahl der im Schaltapparat erforderlichen Kontakte einen so großenDrehwinkel ergab, daß eine direkte Bethätigung desselben durch einen Hebelnicht möglich war, so ist der Bedienungshebel des Anlassers an einem besonderenSteuerbock angebracht, dem noch ein zweiter Steuerbock mit dem Hebel für denUmschalter gegenübersteht. Die Übertragung auf die Welle des Anlaß-Apparateserfolgt, wie aus Fig. 1270 zu erkennen ist, mit Hilfe einer entsprechendenZahnrad-Übersetzung. An Bremsen besitzt die Maschine zwei, eine Manövrier-bremse und eine Sicherheitsbremse, die beide als Backenbremsen ausgebildet sind-

Elektrische Kraftübertragung auf große Entfernungen.

Bisher haben wir die Fortleitung der Elektrizität auf verhältnismäßig ganzkurze Strecken kennen gelernt. Weit bedeutender ist aber die Übertragung derelektrischen Energie auf große Entfernungen. Das Hauptkontingent in dieserBeziehung stellen die elektrischen Zentralen der großen Städte, die elektrischenBahnen, die sogenannten Überlandzentralen, die von einer Primärstation aus eineReihe umliegender Ortschaften und industrielle Werke mit elektrischem Stromversorgen und endlich große Komplexe industrieller Anlagen, die ihre elektrischeKraft von einer gemeinschaftlichen Primärstation beziehen. Welche Dimensionenderartige Primäranlagen mitunter einnehmen, ergiebt der Hinweis auf die riesigenNiagara-Anlagen, die mehrere hunderttausend elektrische Pferdestärken erzeugenund an Sekundärstationen abgeben. Bemerkenswert ist hierbei z. B., daß diein dem 25 von den Kraftwerken entfernten Buffalo befindliche Straßen-bahn ihren Strom von den Niagarawerken bezieht und ein großer Teil dieserStadt von dort aus mit elektrischem Lichte versehen wird. Eine, wenn auch