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nicht so große, aber ähnliche Anlage haben wir in Deutschland in den von derA- E.-G- errichteten Werken Rheinfelden in Baden . Einige andere ähnlichgroße befinden sich in der Schweiz im Betriebe und Bau. Bei den in Fragekommenden Industrie-Anlagen handelt es sich meistens um die Ausnutzung ent-fernt liegender Wasserkräfte- Diese werden zum Antriebe von Turbinen ver-wendet, welche die Dynamomaschinen antreiben, von denen dann der elektrischeStrom nach der mehrere Kilometer weit entfernten Stadt geleitet wird. Der-artige Anlagen sind in großer Zahl aus der ganzen Erde verbreitet, und wieintensiv das Fortschreiten der deutschen Elektrotechnik in dieser Beziehung ist,ergiebt das Beispiel, daß die Siemens & Halske A.-G. vor nicht langer Zeiteine derartige Anlage im Innern Sumatras für den Betrieb einer Goldmineausführte, wobei die Fernleitung durch den Urwald geführt werden mußte undauch die Primärstation mußte mitten im Urwalde gebaut werden, wo wahr-scheinlich noch nie eines Menschen Fuß dauernd verweilte.
In Überseeländern sind vielfach industrielle Unternehmungen überhaupt nurunter Beihilfe der Elektrizität rentabel, da in den meisten Fällen Kohle nichtvorhanden ist oder deren Beschaffung mit unerschwinglichen Kosten verbundenist. Die Arbeitsleistungen lediglich durch Menschen- oder animalische Kraft aus-führen zu lassen, gewährleistet keinen ökonomischen Betrieb, und es bleibt nichtsweiter übrig, als den elektrischen Strom solchen Unternehmungen nutzbar zumachen, in der Voraussetzung, daß in nicht allzugroßer Entfernung eine Wasser-kraft zur Verfügung steht. Anders in den übrigen Ländern, wo die Verkehrs-mittel ohne weiteres die Zufuhr von Kohle gestatten. Hier haben elektrischeKraftübertragungen größeren Stiles immer die Konkurrenz mit den bisher be-stehenden Verhältnissen auszufechten, daß dies aber fast immer in einem für siegünstigen Sinne geschieht, beweist ihre Bedeutung.
Anderseits hat die elektrische Kraftübertragung in überraschend kurzer Zeitden animalischen Betrieb der Straßenbahnen, ohne die wir uns kaum dasöffentliche Berkehrsleben denken können, zum überwiegend größten Teile ver-drängt, und eine Stadt, die etwas auf sich hält, darf mit Pferdebahnen nichtmehr paradieren. Aber noch weiter strebt die rastlose Elektrotechnik. Die gute,alte Eisenbahn hat in den letzten Jahren in ihr eine junge, kühne Rivalin ge-funden, die ihr in der Gestalt von Klein- und Lokalbahnen bereits zahlreicheObjekte entrissen hat, und schon rüstet sie sich nach vielfachen erfolgreichen Ver-suchen zu einem Hauptstoß gegen die heutigen Fernbahnen. Die als elektrischeSchnellbahnen bekannten Ausführungen und Projekte einzelner unserer großendeutschen Elektrizitätsfirmen, und zwar den beiden Firmen Siemens & HalskeA.-G. und Allgem. Elektrizitäts-Gesellschaft, stecken zwar noch etwas inden Kinderschuhen, aber die Elektrotechnik hat zur Genüge bewiesen, daß siediese immer sehr rasch auszuziehen Pflegt. Jedenfalls steht es nach Ansichtunserer Verkehrstechniker fest, daß die allgemeine Einführung der elektrischenSchnellbahnen nur noch eine Frage der Zeit ist, und wenn erst dieser Termineingetreten sein wird und die noch herrschenden Vorurteile widerlegt sein werden,wird rasch der Tag herankommen, an dem, wenigstens auf den großen Ver-