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Zerlegbares Modell des Diesel-Motors / von Adolf Richter
Entstehung
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6
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gelegt^hat, hört die Brennstoffzufuhr auf und die Luftwaffe expandiert bis zurunteren Totlage.

4. Zweiter Aufwärtsgang des Kolbens vermöge der lebendigen Kraft des Schwung-rades. Dabei wird die Gasmasfe durch das Auspuffventil und durch die Öffnung (99)ini Deckel des Cylinders blasrohrartig in ein nach außen führendes Rohr abgeleitet.

Nach diesem zweiten Aufwärtsgang beginnt das ganze Spiel von neuem.

Der Motor wird angelassen, indem man komprimierte Luft aus dem Behälterdurch das Lufteinlaßventil (43) in den Cylinder eintreten läßt. Die Luft expandiert,treibt den Kolben vorwärts und entweicht dann durch das Auspuffventil (56).Während dieser sehr kurzen Anlaßperiode ist das Scheibenfystem mittels des Hebels(78) umgesteuert, sodaß (wie schon erläutert wurde) nur die Scheiben (34 und62) in Thätigkeit sind. Nach einer geringen Zahl Umdrehungen besitzt die Maschineihre normale Geschwindigkeit, in welchem Augenblick der Hebel (78) losgelassenwird und die Scheiben in ihre normale Betriebsstellung zurückkehren. Von diesemMoment beginnt der Motor, wie vorher beschrieben, im Viertakt zu arbeiten undder normale Betrieb ist hergestellt. Die beiden Scheiben (34 und 62) sind nun-mehr ausgerückt und die Scheiben (33, 41 und 60) setzen die drei Ventile (27,36 und 56) in Thätigkeit.

Es ist noch besonders darauf hinzuweisen, daß entsprechend der größeren oderkleineren Leistung der Maschine in den Cylinder größere oder kleinere Brennstoff-mengen eingeführt werden. Der Motor ist zu diesem Zweck mit einem Zentrifugal-regulator ausgestattet, der mittels einer Hebelübersetzung auf den Hub der kleinenPetroleumpumpe einwirkt und denselben bei größerer Leistung der Maschine ver-größert und umgekehrt, wodurch größere, bezw. kleinere Petroleummengen in denCylinder gelangen. Der Regulator, welcher in der Konstruktion den Dampf-maschinenregulatoren gleicht, ist ebenso wie die kleine Petroleumpumpe, in der Tafelweggelassen, um die an und für sich schon komplizierte Zeichnung nicht noch mehrzu überladen und unverständlich zu machen.

Die erste brauchbare Maschine dieser Art wurde im Jahre 1897 von derMaschinenfabrik Augsburg in Augsburg erbaut. Nach erfolgreichen Versuchen mitderselben wurde die Fabrikation im großen aufgenommen und sind heute schonviele dieser Motoren in Betrieb.

Die mit diesen Motoren vorgenommenen, sehr umfassenden Versuche habennicht nur deren Brauchbarkeit und Betriebssicherheit, sondern auch ihre Überlegen-heit gegenüber allen bisher konstruierten Wärmemotoren «Explosionsmotoren) bewiesen.Da aber der bei den Versuchen verwendete Brennstoff gewöhnliches Lampenpetroleumwar, so ist ein Vergleich zunächst nur mit den Motoren gleicher Art zulässig.

Die wichtigste Eigenschaft, welche schon allein genügen könnte, um den neuenMotor an die Spitze ähnlicher Motoren zu. stellen, ist der hohe Wirkungsgrad,welcher ca. 30 Prozent beträgt; d. h. es werden 30 Prozent der durch die Ver-brennung im Cylinder entwickelten Wärme in nützliche Arbeit verwandelt.

Nicht minder wichtig ist der sehr geringe Brennstoffverbrauch des neuen Motors,welcher nach übereinstimmenden Ergebnissen aller Versuche pro effektive (nützliche)Pferdekraft und Stunde ca. 215 Gramm Lampenpetroleum beträgt, eine Zahl, dieungefähr die Hälfte derjenigen beträgt, die bei anderen Explosionsmotoren ge-sunden wurde.

Eine weitere wesentliche Eigenschaft des Motors ist dessen Regulierfähigkeitbei wechselnder Belastung: die Maschine folgt dem Regulator in erstaunlich genauerWeise und es findet niemals ein Aussetzen statt, was einen sehr ruhigen und gleich-mäßigen Gang zur Folge hat.

Weitere wichtige Vorteile wären noch folgende: die sehr geringe Steigerungdes Brennstoffverbrauches pro effektive Pferdekraft bei abnehmender Belastung; dieKleinheit der Abmessungen, ungeachtet der vorkommenden hohen Drücke; die steteBetriebsbereitschaft; die Vollkommenheit der Verbrennung im Cylinder und dieGeruchlosigkeit der Abgase.

Weniger wesentliche, aber immerhin bei der Beurteilung des Motors insGewicht fallende Eigenschaften sind: jede Abwesenheit einer Zündvorrichtung, sei eselektrisch, durch Flamme oder durch Glührohr, die Abwesenheit von Lampen, vonVergasungs- und Zerstäubungsapparaten, von Mischapparaten u. s. w. und infolge-dessen die einfache Konstruktion.

Wie schon am Anfang erwähnt wurde, kann der Betrieb statt mit Petroleumauch mit Leuchtgas oder einem anderen gasförmigen Brennstoff stattfinden, wodurchdas Gebiet des neuen Motors weit umfassender wird, und zwar umsomehr, als der-selbe heute schon in Einheiten von 100 und mehr Pferdekräften hergestellt wird.