298 Nessel.
Nessel, Nesselluch (z B. 149. 150). Schon in älternZeiten hat man aus mehrern Nessel arten Garn zuspinnen gewußt, aus welchem man brauchbare Zeuge, auchSpitzen und Bänder verfertigte. Am meisten wurde diegroße Brennessel (llrtica irrenr irmxima, Ilrticurlioioa) dazu benutzt. Die Baskiren haben schon imJahre 904 die Nesseln als Hanf zugerichtet, und Segeldaraus gemacht. Auch grobe und starke Kleidungsstückewerden daraus verfertigt. Die Baskiren geben unter allenNesseln der Ilrtica csonadlna den Vorzug. Auch dieChineser verfertigen einen schlechten Damast, wovondie Kette Nesselgarn und der Einschlag Seide ist. Imsüdlichen Theile von Europa lernte man die Stengel derrömischen Nessel, und der Pillennessel (Ilrticurarnsaa und xilluliksra) so zu bereiten, daß man feinesGarn daraus spinnen konnte, welches eine feine, demBatist ähnliche Leinewand gab. Diese Leinewand, welcheman vorzüglich viel in Frankreich , namentlich in der Pi-cardie verfertigte, wurde unter dem Namen Nesseltuchsehr hoch geschätzt; ist aber in neuern Zeiten durch Nes-seltuch aus Baumwolle verdrängt worden ss. Mousselin).Im nördlichen Theile von Deutschland spann man schonzu Anfange des vorigen Jahrhunderts Nesselgarn, undwebte Zeuge daraus. In Leipzig legte man wol zuerst(um 172z) eine ordentliche Manufactur von Nesselzwirnund Nesseltuch an. Im Jahr 1763 wurden der ökonomi-schen Societät daselbst Proben von einer Art Mousse-lin und Drell aus Nesselgarn vorgelegt, die viel Gu-tes versprachen. Auch verfertigtes Nesselband zeigteman ihr im I. 1775 vor. In der Schweiz gründetedie Frau Pfarrherrin Schmidt von Ss. Stephan inSimmenthal eine Neffeltuchmanufactur für Arme, worinsehr brauchbare Zeuge, auch Strümpfe aus Nesselgarnverfertigt wurden. -- Poppe Gesch» d> Technos I. zy5'