Buch 
Lesebuch für den Religionsunterricht an den Gemeinde- und Bezirksschulen des Kantons Aargau / erstellt von Karl Schweizer
Entstehung
Seite
61
JPEG-Download
 

61

76. Perlen. ( 125 )

1. Der Vater straft sein Kind und fühlet selbst den Streich;Die Härt' ist ein Verdienst, wo dir das Herz ist weich.

2. O blicke, wenn den Sinn die Welt dir will verwirren,Zum ew'gen Himmel auf, wo nie die Sterne irren.

3. Wenn dir in Zornesglut dein sterblich Herz will wallen,Sag ihm:Weißt du, wie bald du wirst in Staub

zerfallen?"

4. Zum Feinde sag:Ist Tod uns beiden nicht gemein?Mein Todesbruder komm und laß uns Freunde sein!"

5. Wer ist dein ärgster Feind? Des Herzens böse Lust,Die widerspenstiger wird, je mehr du Lieb's ihr tust.

6. Wenn du Gott wolltest Dank für jede Lust erst sagen,Du fändest gar nicht Zeit, noch über Weh zu klagen.

7. Daß sie die Perle trägt, das macht die Muschel krank;Dem Himmel sag für Schmerz, der dich veredelt, Dank,

8. Lern von der Erde, die du bauest, die Geduld;

Der Pflug zerreißt ihr Herz, und sie vergilts mit Huld.

9. Kann auch der Sonne Kraft ein irrer Stern entwallen,Wie könnte denn ein Mensch aus Gottes Liebe fallen?

10. Aus jedem Punkt im Kreis zur Mitte geht ein Steg,Vom fernsten Irrtum selbst zu Gott zurück ein Weg.

(Fr. Rückert .)

77. Das hohe Lied der Liebe. ( 126 )

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete undhätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eineklingende Schelle. Wenn ich weissagen könnte und wüßte alleGeheimnisse und besäße alle Erkenntnis und allen Glauben,daß ich Berge versetzte, und hätte die Liebe nicht, so wäreich nichts.

Wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließemeinen Leib brennen und hätte die Liebe nicht, so wäre esmir nichts nütze.