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neuen Scheunen gefüllt waren, sprach er: Liebe Seele, duhast einen Vorrat auf viele Jahre; darum iß und trink undsei guter Dinge! Gott aber sprach zu ihm: Du Tor, dieseNacht wird man deine Seele von dir fordern; wem wird nungehören, was du gesammelt hast?
Also geht es dem, der sich Schätze sammelt und nicht reichist in Gott .
85. Der Geizhals. (l 42 )
Ein alter Mann, der sich ein großes Vermögen zusammen-gescharrt hatte, wurde krank. Aber als es zum Sterben zugehen schien, bekam er große Angst, daß er von seinem GeldeAbschied nehmen müßte. Er wollte in seiner Not nach demArzt schicken; da kam ihm in den Sinn, daß er diesen bezahlenmüßte und so ließ ers lieber sein. Doch mit dem Tod istnicht zu scherzen. Als die Schmerzen aufs Neue sich einstellten,ließ er einen Pfarrer kommen, damit dieser ihn auf seinemKrankenlager tröste und aufmuntere. Mehrmals ließ er ihnrufen; denn, sagte er sich, den brauche ich nicht zu bezahlen.Er bat ihn auch, für sein Leben zu Gott zu beten; sollte erwieder gesund werden, so werde er nicht verfehlen sich dankbarzu zeigen.
Genug, nach einiger Zeit besserte es wirklich mit demAlten und er kam wieder recht ordentlich zu Kräften. Daließ er den Pfarrer wieder rufen. „Ich habe nicht ver-gessen, was ich in meiner Krankheit versprochen habe," sagteer zu jenem, „da schaut, was ich und meine Frau zusammengespart haben. Seht die vielen glänzenden Goldstücke, einesschöner als das andere! Doch, die wollen wir wieder schönversorgen; denn ich habe gelobt, keines auszugeben, auchwenn ich hundert Jahre alt würde." Dann nahm er eineKiste mit Silbergeld. „Was meint ihr, wie viele da sind?Mehr als wir beide zusammen wägen." Sprachs und schobdie Kiste wieder beiseite; „denn," meinte er, „ich will sienoch einwenig sparen." Nun zog er einen Sack mit gewöhn-licher Münze hervor. „Da nehmt! Ihr seht, ich bin dank-