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Lesebuch für den Religionsunterricht an den Gemeinde- und Bezirksschulen des Kantons Aargau / erstellt von Karl Schweizer
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bar; so dürft ihr hievon ein Geldstück für eure Kinder haben.Ihr seid dann so gut und betet zu Gott um Segen für mich."

(nach einer Fabel von Geliert.)

Besser, wenig mit Gerechtigkeit denn viel Einkommen mit Unrecht.

(Spr. 18. 16.)

86 . Ehrlichkeit. (145)

Ehrlichkeit ist die beste Weltweisheit." Jedermann kenntdiesen Satz; aber nicht jedermann befolgt ihn. Die Ge-schichte des französischen Finanzministers Colbert liefert unsein schlagendes Beispiel zu obiger Lehre. Eine Tat war dererste Schritt zur Auszeichnung dieses Mannes.

Als Jüngling war er bei einem Tuchfabrikanten in derLehre. Einem Pariser Bankier, dem er Waren schickte, stellteer aus Irrtum die Rechnung um sechshundert Franken zuhoch und erhielt den Betrag der Rechnung. Als sein Meister,der Tuchfabrikant, von der Sache hörte, war er hocherfreutund rief aus:Du bist ein prächtiger Junge; alle deineFreunde werden stolz auf dich sein! Sechshundert FrankenProfit! O glücklicher Tag! AIs Belohnung bekommst dueinen Teil des Profits. Aber kaum hatte Colbert von seinemIrrtum sich überzeugt, und die Rede seines Meisters ver-nommen, setzte er seinen Hut auf und erklärte:Ich gehesogleich zu dem Bankier, erkläre ihm den Irrtum, bitte ihnum Verzeihung und bringe ihm das Geld zurück, das er zu-viel bezahlt hat." Diesen Worten folgte auch sogleich die Tat.Die Folge davon war die, daß sein Meister, der Fabrikant, ihnsogleich aus dem Dienst entließ.

Aber diese Tat der Ehrlichkeit war der erste Schritt zurAuszeichnung Colberts. Als am nächsten Tage der reicheBankier von der Sache hörte und die Ehrlichkeit Colbertserfuhr, nahm er ihn sofort in seinen Dienst. Von da an gingseine Laufbahn aufwärts auf dem Wege der Ehren bis ervom König Ludwig XIV. zum Finanzminister Frankreichs erwählt wurde. Seine glänzende Laufbahn schloß er im Jahr1686 im Alter von vierundsechszig Jahren.

(M. F. Cowdcry.)