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Arbeiter. Als solche dienten ihnen die zahlreichen Kriegs-gefangenen, dann aber auch die Hebräer. Denn diese warenals Hirten ihnen verhaßt und als Grenzbewohner verdächtig.Solche Leute, die nicht ihre Götter verehrten, eigene Sittenund Gebräuche haben wollten und keine festen Wohnsitze be-gehrten, verdienten nach der Meinung der Ägypter dieSklaverei. So drückten sie das Volk mit den härtesten Ar-beiten und zwangen es zu den schwersten Dienstleistungen, sodaß es bald zugrunde gegangen wäre. Da kam ihm der Be-freier.
Ein hebräisches Knäblein, bereits dem Tode geweiht, wardvon des Königs Tochter aufgenommen und am ägyptischenKönigshofe ausgezogen. Moses, so hieß der Knabe, reiftezum Manne heran, lernte alles, was ein zum Hause desPharao gehörender Jüngling lernen konnte. Aber trotz allerPracht der vornehmen Welt vergaß er seine Herkunft nicht.Die gehaßten und verachteten Sklaven waren seines Stammesund Volkes, sie waren einst freie Söhne der Wüste gewesen.Sein Herz zieht ihn hinaus aus den herrlichen Palästen zu denZelten und Schilfhütten im Lande Gosen. Sein heißes, raschaufwallendes Blut reißt ihn hin, er erschlägt einen ägyptischenFrohnvogt und verscherzt durch seine Unbesonnenheit jedesAnrecht aus seine hohe Stellung, seinen Reichtum, ja selbstseine Heimat. Als Flüchtling muß er in die Wüste, in dieeinsamen Felsschluchten des Sinai. Dort schließt er sich an dasVolk der Midianiter an, dessen Häuptling Jethro ihn insein Haus aufnimmt und ihm seine Tochter zum Weibe gibt.Dort bleibt er nun viele, viele Jahre lang.
In der harten Schule entbehrungsvollen Wanderlebens,in der Sehnsucht nach seinem geknechteten Volke erstarkt inner-lich der in der Weichlichkeit Ägyptens Großgewordrne,- inder wilden Einsamkeit der Felsenwüste, im furchtbaren Unge-witter und im sengenden Wüsten stürm offenbart sich ihm Gott,sein ungestümer Mut verklärt sich zu ruhigen, klaren Ent-schlüssen und als gefestigter Mann kehrt Moses nach vielenJahren zu seinem Volke zurück.