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droben ist; sie sahen den Himmel für ihr Vaterland an undnannten ihre irdische Wohnung nur eine Herberge. So warensie das Salz der Erde und ein Licht der Welt und auch ihreFeinde konnten ihnen ein gutes Zeugnis nicht versagen:„Sehet, wie haben die Christen einander so lieb!"
Am Tage des Herrn, am Sonntag, versammelten sichdie Christen in einem Hause ihrer Glaubensgenossen, in Zeitender Verfolgung auch wohl nächtlicherweise in Wüsten, Höhlenund Grabkammern. Erst später baute manche Gemeinde eineigenes Haus zu gottesdienstlichen Versammlungen und nanntees Haus des Herrn, griechisch LMutzv, woraus das WortKirche entstanden ist. Bei diesen Zusammenkünften wurdeein Psalm gesungen, ein Abschnitt aus der heiligen Schriftgelesen, darüber geredet und gebetet. Jeden Sonntag undin gefährlichen Zeiten täglich, wurde das heilige Abendmahlgefeiert.
Die Taufe geschah meist an Erwachsenen, nach vorher-gegangenem Unterricht und zwar durch völlige Untertauchungunter das Wasser. Nach der Taufe bekam der Täufling einreines, weißes Gewand. Das sollte ihm andeuten, daß seinvoriges, sündliches Leben aufhören und ein neues Gott ge-heiligtes Leben beginnen müsse. Diejenigen, die noch imvorbereitenden Unterrichte standen, hießen Katechumenen.Aus Furcht, den Bund der Taufe durch Sünden wieder zuverletzen, verschob man die Taufe oft lange Zeit. Keinerwurde aber getauft, der nicht vorher überzeugende Beweiseseiner Sinnesänderung gegeben hatte.
Vor dem Abendmahl genossen die Christen ein gemein-schaftliches Mahl, das Liebesmahl genannt. Jeder brachtedazu aus seinem Hause Speise und Trank und alles wurdegemeinschaftlich verteilt. Der Reiche aß von dem Brote desArmen und der Arme genoß die Speise des Reichen. DasLiebesmahl sollte die innige Verbindung der Christen untereinander darstellen und erhalten. Das Gebet nannte mandie Seele des Christenlebens und die Mauer des Glaubens.Die Christen waren nicht an festgesetzte Zeiten zum Gebet