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bei sorgsamer Pflege und reicher Bewässerung gedeihen dieherrlichsten und seltensten Pflanzen.
In nicht großer Entfernung von Jericho fließt der Jordan in das Tote Meer, auch Salzmeer genannt. Es hat eineLänge von 15 und eine Breite von 3—4 Stunden bei einerTiefe von 350 Meter und liegt zwischen schroffen, kahlen Fels-wänden eingebetet, totenstill, in dumpfem Gluthauch ein-geschlossen 394 Meter unter dem Meeresspiegel. Da es keinenAbfluß hat, und in 24 Stunden durchschnittlich 6 MillionenTonnen hineinströmen, so würde das Wasser stetsfort steigen,wenn nicht die Verdunstung in diesem glühenden Kessel eineso große wäre. So ist wohl das einfließende Iordanwassersüß, das des Meeres aber salzig und zwar teilweise bis zu27,8 o/g; kein lebendes Wesen kann in diesem Wasser fort-kommen und selbst Meerfische sterben darin augenblicklich.Wo aber an den Ufern Süßwasser zufließt, so z. B. inder Schlucht von Engeddi, da läßt die glühende Hitze dieedelsten Pflanzen gedeihen. Ehemals waren die südlichenUfer bewohnt, Erdbeben und damit verbundene Asphalt-regen und schweflige Dünste haben die Ortschaften zerstörtund die Menschen vertrieben.
2. Das Ostjordanland.
Der Jordan bekommt seine wichtigsten Zuflüsse aus demnordöstlichen Bergland: den Hieromar (Iarmuck), süd-lich vom See Genezareth einmündend; den Iabbock, etwain der Mitte des Ghor; an der Südgrenze aus einer finsternSchlucht den Arnon. Berühmt war wegen ihrer mächtigenGetreidefelder und saftigen Weideplätze die südöstlich vomHermon sich ausdehnende Hochebene Basan, an welche sichdas gewaltige Bergland von Eilead anschließt, wohl eineder lieblichsten und anmutigsten Gegenden in ganz Palästina;reich an Früchten der heißen Zone wie an schattigen Wal-dungen, Getreide und Heilpflanzen, nie versagenden Quellen.Hier standen die Städte Iabes und Ramoth. Weiternach Süden zu dehnt sich die Ebene Rüben aus, ebenfalls