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Lehr- und Lesebuch für die Thurgauischen Volksschulen, 7. bis 9. Schuljahr / revidirte Ausgabe von Scherrs Schul- und Hausfreund ; bearbeitet im Auftrage des Erziehungsdepartements
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Nach der Schulzeit wird etwa der Knabe Lehrjunge bei einemMeister. Wohl dem Lehrling, welcher bei einem Manne in die Lehrekommt, der geschickt, fleißig, tugendhaft und wirklich ein Lehrmeister ist!Des Lehrlings Pflicht ist es dann, aufmerksam, tätig, treu und ge-horsam zu sein, und bei einem solchen Meister schadet es einem jungenMenschen nichts, wenn er in strenger Unterordnung auch manches duldenund tragen muß; es stärkt ihn dies nur, daß er die künftigen Mühenund Beschwerden leichter ertragen mag. Ein pflichttreuer Meister mußbisweilen den strengen Ernst zeigen, um den jugendlichen Leichtsinn zuverscheuchen, den Mutwillen zu bändigen und den Eigensinn zu beugen.Leider gibt es aber auch Meister, welche ihre Pflichten gegen die Lehr-jungen weder erkennen noch üben. Da sind es eigennützige Männer,welche nicht darauf sehen, daß der Junge das Handwerk lerne, sondernnur darauf, daß er ihm, dem Meister, durch seine Arbeit Nutzen ver-schaffe. So muß etwa der Schreinerjunge Monden und Jahre nurHobeln und Hobeln das Rauhe von Brettern. Nicht eine Stunde be-müht sich der Meister, ihn wirklich das Handwerk zu lehren. Undmancher Manrerlehrling, was muß er das ganze Jahr tun? Sand undKalk vermischen, Mörtel und Steine zutragen. Der Zimmerjunge?Den Stamm behauen jahrein, jahraus. Ja, die größte Pflichtvergessenheitfindet nicht selten in dieser Beziehung statt. Nur was der Junge zu-fällig sieht und merkt, das lernt er beiläufig. Und soll er dann alsGeselle eintreten und kann und weiß so wenig, dann muß er wiederumimmer die geringste und gemeinste Arbeit verrichten, kommt nirgendsvorwärts und bleibt sein Lebtag ein Stümper und Pfuscher. Wennman also an neue Handwerksordnungen denkt, so trachte man nur auchdanach, daß den Lehrjungen wirklich die Handwerkslehre zu teil werde.Bei einer schlechten Lehre geht nicht nur die schönste Jugendzeit ver-loren, sondern mancher junge Mensch wird für immer verdorben, indemer sich ein gedankenloses, mechanisches Treiben angewöhnt. So mögendiejenigen aus euch, ihr Knaben, die zu einem Meister in die Lehresollen, ja den Vater recht dringlich bitten, euch zu einem pflichttreuenund tüchtigen Meister zu bringen.

Der Handwerksgeselle soll wandern, das ist ein alter, nützlicherBrauch. Er soll sehen, wie das Handwerk draußen in der Welt inverschiedenen Werkstätten getrieben wird, und wenn er die Augen auf-tut, wird er wohl finden, daß auch der Geselle noch viel, recht vielzu erlernen habe. Aber eben um zu lernen, um sich zu bilden, soller wandern. Da gibt es nun viele, die wandern auch Jahre und Jahreund kommen wieder heim, ungeschickt und träg wie vorher, ja oft nochin schlimmerem Zustande, als da sie einst gegangen. Was haben denndiese draußen getan? Sie zogen von Ort zu Ort, von Herberge zuHerberge und übten sich täglich im Fechten (d. h. im Betteln), und was