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Zweite Abteilung.
Aus der Erdbeschreibung und Weltkunde.
I. Abschnitt: Umschau im Vatertande.
1. Die Gebirge der Schweiz : Überblick.
(Atlas Bl. III, IV und V.)
„Seht auf das Land hernieder von hoher Alpemvand!
Da liegt's, gleich einem Buche, geschrieben von Gottes Hand;die Berge sind die Lettern, das Blatt die grüne Trist;
Sankt Gotthard ist ein Punkt nur in dieser Riesenschrift."
<A. Grün.!
Wer von einem erhabenen Standpunkte der nördlichen Schweiz ,etwa von einer der Anhöhen am linken Ufer des Bodensees, das Antlitzgegen Süden kehrt, vor dessen Blicken breiten sich unten zunächst fruchtbareTäler aus, mit zahlreichen Ortschaften besetzt; durch das Grün derWiesen und Saatfelder, der Rebgelände und Obstgärten Leuchtet derWasserspiegel eines Flusses oder Sees. Es erheben sich jenseits wiederumHügel, Höhenzüge und Berge der niedern Stufe, oben von Wälderndunkler beschattet.
In mittlerer Ferne steigen in durchbrochener Reihe höhere Bergeauf, bald in schöner Rundung, bald in breiter Wölbung; doch dasAuge reicht noch weiter. Über die Berge der zweiten Stufe hinwegund durch die Lücken zwischen denselben hindurch erblickt es in schimmerndemSchneegewande die Hochalpen, weit herab von Osten nach Westen denganzen südlichen Horizont schließend, wie ein ungeheurer alabasternerWall mit himmelhochragenden Türmen. Dieser schimmernde Riesenwall,so wähnt wohl mancher, umziehe schützend die südliche Grenze der Schweiz ;aber dem ist nicht also; denn hinter demselben liegt noch weiter Gebietder freien Schweiz , und es erheben sich auf demselben in gleicher Richtungnoch andere Reihen und Gruppen der Schweizeralpen*), mächtiger fast