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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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mein Zimmer, um an den Obersten Vaudrey zu schreiben wegen dem Paß. SeinWahlspruch ist ziemlich stolz: „Ich habe was gegolten, ich gelte was und werde wasgelten.'" Als ich herunterkam, ging die Prinzeß schlafen, da sie um vier Uhr aufstehensollte, um mit Vater, Bruder und Vetter ein Landgut bei Rosbach ' zu besehen. DerPrinz, der sie an der Hand führte, küßte sie ihr indem er zärtliche Worte flüsterte,deren letztes lautete: Kuß. Vor dem Schlafengehen plauderte ich in einem Winkel mitdem guten Conneau, der hier mein einziger Freund ist und mich betrübt, da er unsverlassen will. ... Es möchte seine Diamant-Busennadel verkaufen, um sich die Mittelzur Reise zu verschaffen.

Gestern morgen, als ich zum Frühstück herunterkam, war ich sehr erstaunt, diePrinzeß zu treffen; ich glaubte, sie sei mit diesen Herren verreist. Man sah ihr an,daß sie vor Zorn geweint hatte darüber, daß ihr Vater sie nicht mitgenommen; aberals Frau, die sich zu beherrschen weiß, tat sie als ob sie lache. . . . Als um 3 Uhrdie Prinzen zurückkamen, ging ich hinunter, um ihnen so artig als möglich guten Tagzu wünschen und ging dann wieder auf mein Zimmer, um die beiden Verliebten nichtum den Genuß des Wiedersehens zu bringen. Der Prinz war sehr traurig und sagteseinem Bäschen, er habe einen Brief erhalten, der ihm viel Kummer bereite. Sie hatdarob geweint. Es war ein Brief seines Vaters, der seine Einwilligung zur Heiratverweigerte und ihm untersagte, mit ihnen nach Florenz zu kommen, falls er etwa darangedacht habe. . . . Beim Mittagessen fand ich den Prinz und die Prinzeß, die ich wieder-holt mit einander spazieren gesehen; sie führten sich an der Hand und hatten rote Augenwie Leute, die geweint haben. Die Prinzeß tat, als ob sie nicht essen möge, und denganzen Abend haben sie gegirrt wie zwei Täubchen. Ich richtete es so ein, daß ich ihnenmöglichst aus den Füßen war; aber wenn ich zufällig in ihre Nähe kam, war ich doppeltfreundlich. Der Vater und der Bruder legten sich schlafen, sie blieb immer mit demPrinzen allein, bis alles zu Bette ging.

Samstag, 7. Mai.

Gestern morgen bot mir der Prinz einen freundlichen Gutenmorgen durch dasFenster/' Er kam zum Frühstück, als wir zur Hälfte damit fertig waren, was seinenOnkel sehr in Aufregung brachte. Er war' aufgehalten worden durch einen braven Land-mann, der ihm mitteilte, man habe im Plan, ihn in den Großen Rat des KantonsThurgau zu wählen; nur möchte man gerne seiner Annahme gewiß sein, bevor man inSachen etwas tue, da es ganz gegen das Gesetz sei, weil er erst seit zwei Jahren Bürgerist, und man fünf Jahre Bürger sein muß, um wählbar zu sein. Der Prinz wolltenicht, daß man etwas ungesetzliches tue, und sagte, er würde eine Wahl annehmen,wenn fünf Jahre Bürgerrecht ihm das Recht dazu geben. Allein der Vorschlag schon,den man ihm machte, hat mich sehr gefreut, weil er beweist, wie populär er ist, undin solchem Fall bezeuge ich es, so lebhaft ich kann.

Nach Tisch begab man sich nach Mannenbach. Ich ging auch hin, aber etwashintendrein im Gespräch mit Herrn Conneau. Er will entschieden nach Florenz zurück-kehren, was mir wirklichen Kummer bereitet. Er ist mein einziger Freund hier, dieeinzige Person, die sich für mich interessiert und der ich meine Sorgen klagen kann,

' „ö'ai valu, ss vaux, gs vauärsi." Ein Wortspiel.

^ Offenbar verschrieben; es gibt kein Rosbach in der Nähe; vielleicht Hochstraße bei Emmishofen

' Ihre Zimmer lagen sich, wie wir S. 10 sahen, gegenüber.

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