Am Dose einer Lxkönigin.
Nach den Aufzeichnungen einer ihrer Lhrendamen.
Eingeleitet und kommentiert von
F. Schallegger.
m. Va§ Stratzburger Abenteuer?
Oktober Mb bis Hebruar 1837.
(2^er Prinz Napoleon , entschlossen, durch einen Gewaltstreich aus dem Dunkel der Verbannung heraus-^ zutreten, hatte seinen Aufenthalt in Arenenberg benutzt, um im Sommer 1836 in den Bädernvon Baden-Baden und in Kehl durch Vermittlung des Herrn von Persigny mit Offiziere» derGarnison Stcaßburg Beziehungen anzuknüpfen. Er hatte sich mit dem Obersten Vaudrey, demBefehlshaber des 4. Artillerieregiments, in welchem der Kaiser Napoleon einst seinen ersten Dienstgemacht hatte, mit dem Kommandanten Parguin, dem Gatten der Louise Cochelet aus Wolfsberg ,dem Lieutuant Laich und anderen ins Einvernehmen gesetzt und durch dieselben dem Generallieute-nant des Departements Niederrhein , General Boirol und dessen Generaladjntanten KommandantAinis de Franqueville, dem Gatten der Laura Masuper und Schwager der Frl. Valerie,Eröffnungen machen lassen. Allein General Voirol hatte, trotz seinem Kultus des kaiserlichenRuhms, sich korrekt benommen und es sür seine Pflicht gehalten, dem Präfekten und später demMinisterium von den Zcttelungen Mitteilung zu machen.
Zum Verständnis der Folgen sei kurz folgendes in Erinnerung gebracht. Prinz Napeleonhatte sich am 25. Oktober 1836 von Arenenberg wegbcgeben unter dem Vorwand, zu einer Jagd-Partie in Hechingen bei seinen dortigen Verwandten eingeladen zu sein. Statt dorthin begab ersich aber nach Straßburg , wo er mit seinen Verschworenen in dem Hause der Fr. Gordon, einerPerson von leichten Sitten, den Plan zu einer Schilderhebung besprach und am 30. Oktober inSzene zu setzen versuchte. Die Teilnehmer dieses kecken Unternehmens waren: Oberst Vaudreyvom 4. Artillerieregiment in Slraßburg, Kommandant Parquin, Witwer der einstigen Jugend-freundin und Vorleserin der Horlense, Frl. Louise Cochelet, aus Wolssberg wohnend, Graf Persigny,ehemals Legitimist, seit 1834 Apostel der Napoleonslegende, wie er sich selbst benannte, ein GrafBruc, Graf Gricourt, Herr van Ouerelles, und Lieutenant Laity. Der Anschlag mißglückte, da dasLinienregiment in der Finkmattkaserne die Folge verweigerte und die Verschwörer gefangennahm.Herr von Persigny konnte entfliehen, indem er aus dem Fenster sprang; Napoleon wurde vomKönig mit 16000 Fr. Reisegeld nach Amerika spediert und die übrigen Angeklagten, die, wiees scheint, den Entflohenen als Hauptschuldigen hinstellten, vor dem Geschworenengericht freige-sprochen. Die französische Regierung, ausgebracht über diesen unerwarteten Freisprach, gab demPlatzkommandanten, General Voirol, an dessen Festigkeit das Unternehmen gescheitert war, undeinigen andern Offizieren der Garnison den Abschied.
Die Bilder der Angeklagten vor dem Assisenhof finden sich in der Beilage einer in Basel erschienenen Wochenschrift, der Wanderer in der Schweiz , Jahrgang 1837, betitelt, „der Wanderer,Mitteilungen aus der Fremde" Nr. 34. Bedeutende oder geistvolle Gesichter sucht man vergebensauf dem Bilde.
' Siehe Uvvuo ckvs üeux Nonckvs vom I. August 1915. Die beiden ersten Abschnitte siehe inSchriften 4b, Seite 93—178.