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F. Schalteggcr.
Arenenberg , 31. Oktober 1836.
Montag, den 31. Oktober läßt die Königin mich zu sich rufen und sagt zu mir:„Sehen Sie, was Louis mir schreibt: er ist Herr vou Straßburg ." Ah, gnädige Frau,welch ein schreckliches Unglück!" entgegnete ich und barg mein Antlitz in meinen Händen,denn ich machte mir keine Illusionen. Der Prinz berichtete, er sei Herr von Straßburg .Die Truppen hätten sich empört und das Volk habe sich dem Aufstand angeschlossen.Er habe seiner Mutter den wahren Sachverhalt beim Abschied verheimlicht, habe zwarnicht gewußt, daß mau ihm mit solchen Anerbielungen entgegenkommen werde, habe abersofort zugesagt; alles gehe gut und er werde den Boden Frankreichs nicht mehr verlassen.
Ich teilte seine Zuversicht nicht und zitterte an allen Gliedern und hatte Mühe,um vor der Königin ruhig zu erscheinen. Rousseau ^ lief weinend herzu. Die Königinmachte ihm sanfte Vorwürfe, er soll doch die Angelegenheit nicht so schwer aufnehmen,das bringe Unglück. Ich trat auf ihren Gedankengang ein, wegen der möglichen Folgenund bat sie, woran sie selbst schon gedacht hatte, sich zur Abreise bereit zu halten, damitsie von den Österreichern nicht erwischt werde, falls diese, sobald die Kunde nach Bregenz gelange, in die Schweiz einfallen würden. Ich hätte ihr gerne geraten, das tiefsteGeheimnis über die Angelegenheit zu wahren, dem von Parquin gesandten KurierSchweigen aufzuerlegen und ihn so bald wie möglich zurückzusenden, damit die Nachrichtnicht von hier aus verbreitet werde. Aber es war schon zu spät. Die Bedienten wußtenschon alles. Die Königin hatte, sowie der Kurier angelangt war, um 2 Uhr in derNacht, Frau Salvage,^ Herrn Cottraub und Herrn Arsse^ wecken lassen und ihnenMitteilung davon gemacht, um ihre Ansicht zu hören. Ich war traurig und schwieg, alsein Wagen anlangte, dem ein junger Mann mit Schnurrbart entstieg. Ich eile ihnzu empfangen und zu erfahren, was er für Nachrichten bringe; ich führe ihn in dieBibliothek, wo die Königin ihn sprechen wollte. Er hinterbrachte uns Näheres über dasverhängnisvolle Abenteuer, und ungläubig hörte ich zu. Er hieß Lombard, war Militär-arzt und einer der Mitverschworenen. Er hatte die Nacht mit dem Prinzen zugebracht.Als die Empörung ausbrach, war er mit einer Rotte Kanoniere beauftragt worden, sichder Druckerei Silbermann, wo der „Conrrier du Bas-Rhin" gedruckt wird, zu bemächtigenund war im Begriff, eine Proklamation in Druck zu geben, als ihm gemeldet wurde,der Prinz habe vor dem 46. Infanterieregiment Mißerfolg gehabt und sei mit seinemganzen Stäbe gefangen genommen worden. Bei einem Freund hatte er seine Kleidergewechselt und floh, um uns Nachricht zu bringe». Die Königin nahm sie, so nieder-schmetternd sie lautete, mit übernatürlichem Mute auf. Ich konnte es nicht glauben undwar 'geneigt, diesen Menschen für einen Spion zu halten, der gekommen sei, uns dieWahrheit zu verheimlichen und uns auszuholen, und ich sagte mit Fr. Salvage: „Wie,man hat keine Hand gerührt, ihn zu retten? das ist ja ein Hinterhalt, eine Falle, dieman ihm gestellt hat, um ihn zu verderben!" Ich ging ab und zu in den Salon zuHerrn Rügger,^ der im Begriff zu verreisen uns seine Dienste anbot. Ich teilte diesder Königin mit und fügte bei, wenn sie einen zuverlässigen Mann nach Straßburg senden wolle, würde keiner sich besser hiefür eignen als einer vom Hause des Fürsleuvon Fürstenberg. Die Königin billigte meinen Vorschlag und schrieb Briefe an den
' Der Milchbruder der Königin und Vermalter auf Arenenbcrg.
^ Die Gesellschaftsdame. ° Der Maler. * Ein Mailänder Graf und Gesellschafter des Prinzen.
'> Kurier des Dürsten von Fürstenberg.