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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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steppe durchqueren, dann zu den St. Antonsfällen, nach Fort Cheltin, den St. Peter-fluß gehen, und durch die Seen werde ich wieder über Green Bah, Chicago , Detroit ,Niagara, Montreal , Quebec , St. Lorenzo, Boston , New Dort zurückkehren. Auf derKarte ist das sehr weit, 56000 Meilen aber hier reist man so schnell, daß dasnichts auf sich hat, und mit Ausnahme eines Monats, da ich zu Pferd oder zu Fußreisen werde, werde ich alles übrige im Dampfer oder im Postwagen machen. Ich mache dieseReise in schlechter Gesellschaft, mit mir selbst. Aber das ist egal; ich hoffe ich habe inmir Hilfsquellen genug, um ohne die andern auszukommen. Wenn Louis mit mir ge-kommen wäre, so hätte ich nicht so weit gehen wollen. Aber, da ich allein bin undüber mein Dasein niemandem Rechenschaft schuldig bin, werde ich so weit gehen wieich kann. ..."

Montag, 17. Juli.

. . . Die Königin hat von London einen Brief von ihrem Sohn, vom 9. Julibekommen. Es handelt sich darum, Pässe zu bekommen. Aber nun ist er doch da inEuropa . Welche Freude wäre eS, ihn wiederzusehen, wenn die Königin nicht dem Todenahe wäre! Die ganze Nachbarschaft ist im Durcheinander. Herr Ammann will ihn feiern,und uns ist's sterbensweh. Die Königin hat den Mund voll Aphthen und hat Schmerzenim Hals und ich zittere. Unter solchen Umständen habe ich abends meinen Brief anHerrn Arese zu Ende gebracht. Gott mag wissen, wo er ihn finden wird. . . Die Königinhat mich rufen lassen, um Schmucksachen zu ordnen. Sie hielt ein kleines Miniatur-bild von ihr, auf einen Fingerring gemalt von Jaques.Würde das Ihnen Vergnügenmachen?" fragte sie mich.Selbstredend, Madame."Es ist doch nicht ganz befriedigend.Ich will Ihnen lieber mein blaues mit Türkisen besetztes Bild geben. ..." Sie ist sehrkrank und ganz verändert. ...

Freitag, 28. Juli.

Am Mittwoch abend habe ich von der Herzogin von Ragusa einen Brief, dereinen andern von Herrn Brächet enthält. Sauter ist gekommen. Herr Tascher' hat mitihm gesprochen. Er sagt, der Muttermund sei gänzlich zerstört; der Krebs greife auf dieGebärmutter über; aber wenn er den Magen wieder in Ordnung bringen könne, sokönne es noch lange gehen; anderseits könne der geringste Zufall plötzlich das Endeherbeiführen.

Montag, 81. Juli.

Gestern, als man zu Tische saß, kam Rousseau und brachte mir einen vom24. aus London datierten Brief des Herrn von Persignh:

Fräulein... ich teile Ihnen in der Eile mit, daß unser Freund, weil er sichdie nötigen Papiere nicht verschaffen konnte, entschlossen ist, ohne solche abzureisen. In23 Tagen spätestens wird er aufbrechen und Ihnen unterwegs schreiben. Er istganz gesund. ..."

' Graf Tascher de la Pagerie, ein Vetter der Königin, war Adjutant des Prinzen Eugengewesen und nach dessen Tode als Kammerdiener in den Dienst des Königs von Bayern getreten.Nach dem Attentat von Straßburg besuchte er Hortense aus Arenenberg , und als der Zustand der-selben sich zusehends verschlimmerte, kam er nach Arenenberg , um bis zur Rückkehr des Prinzendie Leitung des Haushalts zu übernehmen. Er war es auch, der nach erfolgtem Tode die Leicheder Königin nach Rueil überführte.