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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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Ich saß wie auf Nadeln. Schließlich ist alles für beide Teile besser abgelaufen, als ichfürchtete. Herr von Querelles war zu Fuß von Konstanz hergekommen, wo er dieAnkunft des Prinzen erfahren hatte. Herr Parquin, dem man berichtet hatte, kam her-1 'geritten, just als man sich zum Frühstück begab.

Montag, 7. August.

Ich habe mich mit offener Gewalt meines alten Platzes neben dem Prinzenbemächtigt, wozu Frau Salvage ein wütendes Gesicht schnitt. Nach dem Frühstück gingich wie gewohnt zur Königin hinauf. Der Prinz und die täglichen Gäste kamen auchhin. . . Er hat uns von Amerika erzählt, wo die Schnurrbärte so verpönt sind, daßman Gefahr läuft, wenn man einen hat. Dann sprach er von der Unruhe, die er wegenHerrn Arese gehabt, der sich in den Kopf setzte, seinen Schnurrbart nicht abschneiden zulassen, und bei der Gelegenheit erzählte er auch, wie Arese , obschon er es nicht Worthaben wolle, bis über die Ohren in eine Amerikanerin verliebt sei, die zwar wenigerhübsch, aber sehr reich sei und sehr liebenswürdig, und er habe ihm zugeredet, sie dochzu heiraten vielleicht werde er es schließlich tun. Ich muß blaß geworden sein; denndas Herz stand mir still, und ich war einer Ohnmacht nahe. Begreift man solch eineTorheit? Das hat mir bewiesen, daß er mir unbewußt und meinem Verstand entgegenin meinen Neigungen und Träumen eine bedeutendere Rolle spielte, als mir lieb war!Ich weiß recht gut, daß er mich nie geliebt haben muß, weil er so von heute auf morgenheiraten kann, lieber weit weg als da in der Nähe! Immerhin trotz allem hat

es mich tief geschmerzt, und ich kann nicht dran denken ohne Tränen zu vergießen;

ich konnte den ganzen Tag mich nicht fassen. Glücklicherweise fehlte es nicht an Gründen,um mein verweintes Gesicht zu erklären. Als die Königin aufstand, ist sie ein wenigspazieren gefahren. Der Himmel war bedeckt. Als wir in das Bibliothekzimmer zurück-gekehrt waren, hat der Prinz uns eine hübsche Mappe und eine Menge von Ansichtenvon New Jork gezeigt. Er wiederholte die Neuigkeit von Herrn Areses Liebschaft wasder Frau Salvage eine große Freude bereitete. Ich fühlte, wie ihre Augen, diejenigenvon Elise und Herrn von Querelles auf mich gerichtet waren, und mir war äußerstunbehaglich zu mute. Der Prinz fügte hinzu, Herr Arese sei auf die Amerikaner soschlecht zu sprechen, daß es ihm auf die Nerven gehe. Eines Tages, als man dem

Prinzen die Aufwartung machte, indem man ihm alle Stadtverordneten von New-Iork

einen nach dem andern vorstellte, sei Herr Arese so ungeduldig geworden über die Weise,wie das geschah, daß er zum Prinzen sagte:Wenn das nicht bald ein Ende nimmt,so springe ich aus dem Fenster." Und zu allem, was der Prinz sagte, fügte er leisehinzu:Die verstehen Sie ja nicht; Sie werfen Ihre Perlen vor die Säue." Er hatteRecht: die Amerikaner verstehen sich nur auf ihre merkantilen Interessen . . Man zeigtedem Prinzen den Köngreßsaal, und man lud ihn ein, sich auf Washingtons Stuhl zusetzen. Der Prinz lehnte bescheiden ab und sagte, er habe noch nichts getan, um solcheine Ehrung zu verdienen. Weit gefehlt! Sie setzten sich darauf und bemerkten, wiegut gepolstert er sei. Ein Advokat sagte zum Prinzen, er müsse wohl sehr erstaunt sein,daß man ihm den ihm gebührenden Titel (den jedermann ihm gab) nicht gebe. DerPrinz antwortete, sein Name allein sei für ihn der schönste Titel. Ich habe den Prinzen

' Der Prinz legte es offenbar darauf an, Frl. M. mit seinen Neuigkeiten zu quälen und sich anihrem Kummer zu weiden; ob darum, weil er auf Arese eifersüchtig war?