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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

er mir zeige, hange mit dem Benehmen meiner Schwester und meines Schwagers*zusammen, die all seinem Pech (in Straßburg ) hätten vorbeugen können, wenn meineSchwester ihn von der Anschuldigung des Herrn Raindre verständigt hätte. Welchnamenloser Schmerz und welcher Kummer für mich! Aber alles verblaßt gegenüberden Befürchtungen des Augenblicks. Ich kann diesen unausweichlich nahen Todesfall nichtfassen; ich zürne denen, die daran glauben, und wenn ich daran denke, so empört sichmein ganzes Wesen vor Jammer. Für mich wird es ebenso ein Trost wie eine Pflichtsein, sie nicht zu verlassen, so lange es irgend möglich ist. Sie hatte mir ja versprochen,sie wolle mir die Mutter ersetzen!

Donnerstag, 28. Scpt.

Borgestern vor dem Abendessen habe ich eine Unterredung mit dem Prinzen gehabt:Spanische Renten, die Rousseau, ich weiß nicht mehr wann, überbracht hat und welche dieKönigin vor ihm hat einschließen lassen, finden sich in dem Blechkasten nicht mehr vor,den der Prinz ihm übergeben hat, und Frau Salvage, die ich auf dem laufenden hierüberglaubte, weiß nichts davon. Der Prinz entschuldigte sich fast, daß er mich darüberbefrage. Er sagte, es geschehe aus Zartgefühl gegen jedermann, wenn er sich damitbefasse, und damit, wenn etwas fehle, nicht jedermann die Schuld daran seinem Feindezuschieben könne. Er fügte hinzu, er wisse ganz gut, daß ich Feinde habe im Hause;aber ich dürfe versichert sein, daß er darüber denke wie seine Mutter, und es sei ver-lorene Mühe, jemanden bei ihm anzuschwärzen, dessen Borleben er kenne. Er versichertemich seiner freundschaftlichen Gesinnung mir gegenüber und fügte hinzu, wenn er michkälter behandelt habe, so sei es geschehen, weil er es meiner Schwester und meinemSchwager nicht verzeihen könne, daß sie ihn über das Benehmen des Herrn Raindrenicht aufgeklärt hätten. Ich war darüber sehr erstaunt, da ich ihm, wie übrigens derKönigin auch, das Wenige, was mir Laura darüber geschrieben, mitgeteilt hatte. Er willsich nicht erinnern, daß ich ihm etwas darüber gesagt habe und doch bin ich sicher, esihm gesagt zu haben, wie auch der Königin, und zwar alles, was ich wußte. Es scheint,daß das ihn nicht aufgeklärt hat; all sein Berdacht fiel auf Frau Gordon"... DasAbendessen unterbrach unsere Unterredung. Wir versprachen uns, das Gespräch darübernachher wieder aufzunehmen. Ich sehe, daß es nicht genügt, das Bewußtsein zu haben,alles zu tun, was man soll, weil ich mich über so etwas zu rechtfertigen habe.

Freitag, 29. September.

Die Kraft gebricht mir, zu schreiben, so sind meine Tage voll schmerzlicher Be-wegungen. Meine arme Königin! Aber ich soll nicht von meinem Schmerz reden. Erist da für lange Zeit; ich muß im Gegenteil die Erinnerung der Ereignisse festhalten,die er mich vergessen machen könnte. Vorgestern habe ich Frau Lindsah und die Crenaygesehen; Fräulein Louise trug Haare von Mademoiselle ^ und am Finger einen Ring miteinem Anker und Haaren des Herzogs von Bordeaux . Das alles änderte keineswegsdie Liebe des Prinzen für sie, während die Ansichten meiner Familie ihn mir so ent-fremdeten. Herr Conneau hat aus dem Kanapee des kleinen Salons geschlafen, und ichsaß am Bett der Königin. Sie war sehr unruhig; dennoch bekam sie keinen neuen

' Man lese die Äußerungen Lauras, vorne S. 16 ff., nach.

^ Siehe oben S. 10.

^ Die Familie Crenay war legitimistisch. Mademoiselle ist der Titel einer bourbonischen Prinzessin.