Am Hofc einer Exkönigin.
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schreckliche Todeskampf währte über vier Stunden, ohne daß die Schmerzen nachließen,ohne daß sie aufhörte zu reden. „Mein Kind, mein teures Kind", sagte sie. Als derletzte Augenblick nahte, kam ihr das volle Bewußtsein wieder. — „Lebt wohl, meinelieben Freunde, verlaßt mich nicht, bittet für mich!" sagte sie. Wir antworteten: „Madame,wir sind ja bei Ihnen." Mehr als zwanzigmal wiederholte sie: „Adieu, adieu, meinelieben Freunde; mein liebes Frankreich . . ., meine lieben Landsleute, adieu, bittet fürmich! Verlaßt mich nicht!" und die Stimme klang immer schwächer, und der Schreckenüber ihre schrecklichen, langen Leiden verursachte uns solchen Schmerz, daß wir alle auf-atmeten, als das Ende nahte. Der arme Conneau brach in Schluchzen aus. Aber wiesoll ich ausdrücken, was mit dem Prinzen war, was er empfand? Er war sozusagenversteinert vor Schmerz; er war erhaben an Mut, Zärtlichkeit und Zartgefühl! „Meineliebe Mutter, liebe Mutter", sagte er unaufhörlich; „ich werde dir in die bessere Welt,dahin du gehst, folgen. Da wirst du deine Mutter, meinen Bruder finden!" und seineschmerzerstickte Stimme vollendete nicht: „Und ich bleibe allein zurück. . . . Alle deineWünsche sollen erfüllt werden, liebe Mama; man wird dich zu deiner Mutter führen;wir werden für dich beten, und du wirst für uns beten, und wir werden uns baldwiederfinden." Es ist mir unmöglich, mich all der Trostesworte zu erinnern, die sieeinander sagten; aber ich war von ganzer Seele im Einklang mit solchem Schmerz. Erhielt die Hand seiner Mutter, und ich hielt ihre beiden Hände in den meinigen!
Allmählich wurde die Stimme schwächer; die Augen wurden starr, und der armePrinz brach in Tränen aus. „Segne mich, Mutter", schrie er; „Mama, da bin ich,verstehst du mich?" und jedem Ton dieser geliebten Stimme entsprach eine Bewegungder Sterbenden! Sie war starr; nur ein wenig Atem blieb noch in der bedrückten Brust,und ein leises Zeichen sagte noch: „Ich versteh dich!" Alles war vorbei, und wir ver-blieben erstarrt auf dem nämlichen Platz, vom Schmerz vernichtet! Herr Tascher undHerr Bieillard führten den Prinzen mit Gewalt vom entseelten Leichnam weg. Manhielt der Leiche ein Licht vor den Mund und nachher einen Spiegel, und alles war vor-über. O mein Gott! wird der Schmerz, den dieser Augenblick mir verursacht hat, mirzur Sühne angerechnet werden, wenn einmal mein letztes Stündlein kommt? Von allenSeiten brach ein Schluchzen aus, und ich war einen Augenblick außer mir. Herr Vieillardnahm mich in seine Arme und wollte mich wegführen; aber ich wollte meine schmerzlichenPflichten bis aus Ende erfüllen. Herr Conneau schickte alle hinaus; ich blieb mit ihmund Herrn Kiesel bis 8 Uhr morgens bei der Leiche, welche warm blieb und weich, undan einigen Bewegungen der Augen hätte man glauben können, sie lebe noch. . . . Manrief mich zur Messe; die Unruhe dieses Augenblicks hindert mich, mich zu erinnern, obder Prinz den Mut gehabt hat, auch in die Kapelle zu kommen. . . . Nachher habenwir einen Augenblick unten geplaudert. In solchen Augenblicken kommt der Charakterin den Äußerungen des Schmerzes zum Vorschein. Herr Cottrau war wie gewöhnlichübertrieben. Ich hätte ihm verziehen, wenn er nicht über unsern armen, unglücklichenPrinzen losgezogen hätte, der so gut und edel und so über allen erhaben war! Zu sagen,er sei gefühllos! Ich habe, ungeduldig geworden, ihn stehen lassen mit Frau Vieillard,die sagt, es gehe ihr auf die Nerven, sie, die von der geringsten Gemütsbewegung fürchtet,sie könnte ihr schaden!
Ich warf mich auf mein Bett; aber ich wurde bald durch Malvine zum Prinzengerufen, um ihm zu sagen, wo ein Blechkaste» sei, der im kleinen Kabinett der Königin