Am Hofe einer Exkönigin,
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halb geglaubt. Er wünsche, daß Herr Cottrau sein Haus verlasse; er habe es ihm
schon einmal gesagt und werde es ihm, wenn's nötig sei, noch einmal sagen; er werde
Herrn Cottrau sein unschickliches Benehmen, welches bezwecke, den Glauben zu erwecken,als ob er der Geliebte der Königin* gewesen sei, nie verzeihen.
Ich sagte darauf, ich verzeihe es der Frau Salvage nicht, daß sie das sage (nach
dem, was mir Elise gesagt hatte), und sie tue es in der Absicht, Herrn Cottrau weg-
zubringen. Was mich selbst betreffe, sei es mir ein leichtes, ihm die Ungerechtigkeit undGrundlosigkeit alles dessen, was er mir sage, darzutun, indem ich einfach bei der Wahrheitbleibe. Er habe auf solche Gedanken nicht selbst verfallen können; aber es sei schlimmgenug, daß er sich von Frau Salvage so habe einseifen lassen können, ja daß er ihreEinflüsterungen sich habe zu eigen machen mögen. Wie ist's möglich, daß er wegendieser spanischen Renten auf mich Berdacht werfen konnte oder glauben, ich hätte michzur Mitschuldigen von irgend etwas gemacht, was gegen ihn ging? Wir kamen dannauf die Straßburger Affäre zu reden. Er denkt, nach dem Prozeß, daß mein Schwager,indem er Herrn Raindre denunziert und nachher seine Frau hergeschickt habe, ihn nurhabe aushorchen wollen. Das kam daher, daß er mich einer solchen niederträchtigenHandlung fähig hielt, mich, die ich so wahr, so ergeben, so uneigennützig war. Sollteich je so beurteilt werden können, und durch wen? Durch den Prinzen, den ich so liebe,und nachdem ich sieben Jahre meines Lebens im Verkehr mit ihm zugebracht! Ach, hättedoch seine arme Mutter mir besser Gerechtigkeit widerfahren lassen, wie ich's verdiente!Ich schwamm in Tränen und sagte ihm mit viel Bitterkeit, es sei abscheulich, daß ersolche Ansichten über mich habe haben können. Ich weiß nicht mehr alles, was wirwährend dieser langen Unterredung, deren Erinnerung mir noch lange peinlich sein wird,uns gesagt haben. Ich ging auf mein Zimmer, so niedergeschlagen und zugleich so krankvor Aufregung, daß ich mich zu Bett legte, gebrochen von so viel moralischen und physischenLeiden. Daß ich, die ich stets auf Freundschaft und auf die Gerechtigkeit des Prinzengerechnet, so beargwohnt werden konnte, das war abscheulich, und noch jetzt bin ich ganzdavon bedrückt . . .
Ich war nach dem Diner allein, als der Prinz zu mir kam, in der Meinung,wie er sagte, Herrn Conneau hier zu finden. Er komme um mich, ich weiß nicht mehrwas, zu fragen und wie es mir gehe; nach und nach fingen wir ganz artig miteinanderzu plaudern an; er schenkte mir eine Tasse Tee ein; dann trat er an mein Bett, reichtemir die Hand und sagte: „Laßt uns Frieden schließen." Ich umarmte ihn zärtlich,indem ich ihm Vorwürfe machte, daß er je habe glauben können, ich werde mit irgendjemand auf der Welt gegen ihn intriguieren. „Ich bin so lange fort gewesen, und dieAbwesenden haben Unrecht", sagte er. „Bei mir nicht, mein Prinz", antwortete ich ihm.Ich war so unglücklich über den bitteren Auftritt vom Vormittag, daß der Gedanke, wieder
> Man erinnert sich hier unwillkürlich der unbedachten Ausfälle des Malers Cottrau über dieEile, mit der man noch vor dem erfolgten Ende der Königin Traucrkleider von Konstanz her kommenließ ; darauf zielt wohl auch die Anspielung des Herrn Conneau mit dem goldenen Ring, den dieKönigin trage (S. 31). Aus allem muß man schließen, daß die Königin in ihren letzten Lebensjahreneine Gewissensehe mit Cottrau geschlossen haben muß. Chateaubriand, der 1831 Gast auf Arenenberg war, schildert den jungen Maler als einen großen Mann mit mächtigem Schnurrbart, in Bluse undStrohhut, herabgclegtem breitem Hemdkragen und fantastischem Anzug. Er jagte, malte, sang, lachte,geistreich und geräuschvoll, spielte vierhändig mit der Herzogin. (Nömoires ä'outre-tombe v. p. 587.)