Buch 
Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
Entstehung
Seite
57
JPEG-Download
 

Am Hofe einer Exkönigin.

5,7

Eugenie von Hohenzotlern an Frl. Masuyer.

Tegernsec, II. Oktober 1837.

„So ist'« also unwiderruflich zu Ende! Und wir haben das einzige Band verloren,das uns noch blieb von der Familie unseres armen Vaters!' Armer, armer Louis,wie unglücklich muß er sein, da wir es alle sind, über diesen herben Verlust! Da wirhier um unsere Mutter versammelt sind, habe ich von ihr zuerst den bitteren Verlusterfahren, den wir zu beklagen haben! Und meine Gedanken sind sofort zu Ihnen geeilt,liebes armes Frl. Masuyer, da ich weiß, wie sehr Sie meiner guten und verehrungs-würdigen Tante anhänglich waren. Dank tausendmal, liebes Frl. von Masuyer, für dasAndenken, das Sie mir in diesem Augenblick beweisen, da Sie so verwirrt sind. Oh,ich werde sicherlich niemals vergessen, was Sie alles für meine Tante getan haben, unddas Interesse, das Sie mir stets erweckt haben, kann jetzt, da ich Sie so unglücklichweiß, nur noch wachsen; denn ich weiß, Sie sind so unglücklich wie wir. Alles, wasSie mir über Louis sagen, erstaunt mich nicht; er ist vortrefflich! . . . Aber ich bitte

ihn nicht zu glauben, er fei allein und verlassen auf der Welt, solange noch eins von

uns lebt. Wir werden ihn stets wie einen Bruder lieben. ... Ich hoffe Ihnen noch-mals zu begegnen im Leben, liebes Frl. von Masnyer, das ist wenigstens mein lebhafter

Wunsch, um Ihnen noch einmal mündlich auszusprechen, was ich stets für Sie fühlenwerde. Bköge Gott Ihnen alles gewähren, um was Sie ihn bitten.

Ihre ganz ergebene Eugenik von Hohenzollern .

— Ich konnte mich der Tränen nicht erwehren, als ich mit Frau von Crenay vonallem sprach, was mein Herz in diesem Augenblick erfüllt. . . . Diese Damen reisen nichtab, obgleich sie noch davon reden. Wehe dem armen Prinzen!

— Ich finde es seltsam, daß er nie von den Besuchen spricht, die er ihnen macht.Er war weggeritten; ich rechnete mit Herrn Tascher ab und kam halb erfroren herunter,als der Prinz wieder erschien, um sich mit uns zu wärmen, und wir haben ihm Spar-samkeit empfohlen. Bald floh er um spazieren zu gehen, wie er sagte, aber vielleichtebenso um ein Alleinsein mit mir zu vermeiden, als um anderswohin zu gehen. . . .Der Prinz war heute abend weniger traurig und träumte von Frl. Louise; ich habe ihmkeinen Übeln Schrecken eingejagt, als ich ihm sagte, ich hätte bleiben wollen, um der FrauBure zu helfen, alles in Ordnung zu bringen; er kann ruhig sein, ich gehe schon. . .Da er frühe den Salon verließ, machte ich's auch so.

... Ich will mit niemandem hier mehr etwas zu tun haben. Die Frauen vonCrenay sind gekommen. Der Prinz hat sie mit Frau Salvage heimbegleitet. Elisa ver-mutet, die Anwesenheit dieser Damen erweckte im Prinzen den Wunsch, hier allein zu sein.Jetzt sprechen diese Damen nicht mehr vom Abreisen, und wahrscheinlich werden sie sehrlange bleiben. Frau de Graimberg hat mir erzählt, daß während sie zu Mannenbachwar, Frl. Louise jeden Morgen um 7 Uhr im kleinen Wäldchen allein spaziere. Siezweifelt nicht, sie habe dort Rendez-vous mit dem Prinzen, und Frau v. Crenay wissedarum. Sie sieht hier eine Falle gelegt, um ihn zu zwingen, diese junge Tochter zuheiraten, — seine Mutter hätte das nicht gutgeheißen — und sie behauptet, es sei meinePflicht, dem Prinzen die Augen zu öffnen. Soll ich's wagen?

' Die Schreiben» war eine Tocher des Prinzen Engen.