2
F. Schaltegger
Samoiloff hat mit ihrem Duett mit Herrn Angelini gefallen, obgleich sie falsch sang.Man bat sie um russische Romanzen, deren Schönheit überraschte; es hat in dieser Musikeinen Hauch von Leidenschaft, der, obschon rasend und ungeordnet, ergreifende Wirkungenhervorbrachte. Nachher erschien die Bravourarie, durch die Paccini gesungen, schwach.Die Damen sind bald nachher weggegangen, und die Königin hat die Spieler, die Mienemachten zu bleiben, fortgeschickt.
Herr de Rougs, der bis zuletzt blieb, wollte, die Königin sollte sich an Herrn deLatour-Maubourg, unsern Gesandten in Neapel wenden, der aus der Durchreise in Rom ist. Man konnte ihr nicht deutlicher, als es hier auf der französischen Gesandtschaftgeschah, zu verstehen geben, daß sie ohne Kredit und Stütze sei. Darob hat sie die ganzeNacht geweint; ihre Gemütsbewegung war so heftig, daß sie wieder ausstand, um mitKarl/ der zur Vorsicht im Bett des Prinzen schlief, darüber zu sprechen.
Jetzt gilt es noch für die Rettung zweier politischer Flüchtlinge besorgt zu sein,denen der Prinz in seinen Zimmern ein Asyl gewährt und die er bei seiner Abreiseseiner Mutter empfohlen hatte. Der eine ist ein alter Offizier der italienischen Armee,den wir Fido nennen, um vor den Dienern seinen Namen nicht zu verraten; der andere,ein junger Maler, namens Pasqualini , war bei einem Handstreich der letzten Tage ver-wundet und stark blutend hieher gebracht worden. Da sind zwei Leben zu retten; dennFido hat in seiner Tasche eine geladene Pistole und ist bereit, sich eine Kugel vor denKopf zu schießen, wenn die Häscher kommen um ihn festzunehmen. Dr. Conneau verbandPasqualini . Auch er gehört zu den Verschwornen, hat aber bisher den Nachforschungender Polizei sich zu entziehen gewußt.
Die Gesandten von Brasilien und Bayern kommen, um der Königin ihre Diensteanzubieten. Der Fürst von Montfort bringt die Neuigkeit, daß in der Nacht 400 Per-sonen festgenommen worden sind. Die Königin weigert sich immer, einen Schritt zu tun;sie will nichts von Herrn de Latour-Maubourg verlangen; aber unfähig wie sie ist, langeKonflikten aus dem Wege zu gehen, spricht sie davon, nach Florenz zu gehen, um ihremSohn näher zu sein.
Der ganze Monat Januar ist hingegangen inmitten der fürchterlichsten Gerüchteund leichtsinnigsten Beschäftigungen. Man hörte von nichts reden als von Aufständen,von Verschwörungen, was aber nicht hinderte, daß jeden Abend in allen Häusern.getanztwurde. Die Königin, glücklich über die Nachrichten, welche ihre Söhne ihr jeden Tagvon Florenz senden, freut sich, sie weit vom Herd der Agitation zu wissen, und hat sie, aufihre Klugheit bauend, einige Zeit sich selbst überlassen, unter der Obhut des Königs Ludwig.
Das regere Leben, das heute in der Stadt erwacht ist, wird sie noch einige Zeithier festhalten. Artilleriesalven und Glockengeläute verkünden, daß die Papstwahl statt-gefunden hat. Zuerst glaubten wir, der Kardinal Gregorio, Haupt einer einflußreichenClique im Konklave gegen den Kardinal Albani, sei gewählt; das war aber ein Irrtum,und der Kardinal Capellari ist's, der oberster Priester wird unter dem Namen Gregor XVI .Morgen werden mit dem ersten Besuch des Papstes in der sixtinischen Kapelle und imSankt Peter die Feierlichkeiten ihren Anfang nehmen. Er empfängt die Huldigung derKardinäle, die gestern noch seinesgleichen waren, jetzt aber seine Untertanen sind; einer
' Der Kammerdiener.