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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

durchreisten Italien miteinander zu Fuß und hatten sich just zur Reise nach Neapel entschlossen, wenn nicht ihr gutes Herz und die schlimmen Umstände sie hier zurückge-halten hätten.

Die Mutter des Herrn Bressieux war Ehrendame bei Madame Märe* gewesen;er selbst Page des Kaisers. Durch seltsame Fügung fand er 10 Monate zuvor Gelegen-heit, die Abreise Karls X. in Paris zu decken, da er damals Kapitän der königlichenGarde war, und heute wacht er in Rom über die Königin Hortense ! Klein, von guterHaltung und gutem Benehmen, geistreich genug, um zu gefallen; sein Gesicht wäre sogarhübsch ohne die großen runden Augen, welche Wagenlaternen gleichen.

Wir speisten fröhlich mit unsern beiden Verteidigern, als die beiden Diener er-schrocken kamen mit der Botschaft, man höre Flintenschüsse. Herr Ruspoli ^ erschien auchganz außer Atem; er käme die Königin zu beruhigen, sagte er und war sicherlich er-schrockener als sie. Auf seinen Befehl schlössen seine Leute, so gut es ging, die großePforte, die seit 15 Jahren nicht mehr in den Angeln gedreht worden war und derenTürflügel sehr schlecht schlössen.

Die Ursache seines Schreckens ist eine neue Proklamation, die der gut gesinntenBevölkerung einschärft, beim ersten Kanonenschuß von der Engelsburg nach den Waffenzu greifen. In einer Stadt, die so mit Elektrizität geladen ist, kann ein so unklugerRat genügen, um die Revolution zu entfesseln. Indessen ging der Abend hin, indem manauf die Geräusche der Gasse achtete, ohne daß die Stille anders als durch den Schrittder Patrouillen und die Husschläge der Pferde auf dem Pflaster gestört worden wäre.Einige Besucher kommen und gehen, indem sie sich zum Ball der russischen Gesandschaftbegeben. Herr Ruspoli kommt noch einmal mit dem Bericht, es sei alles vorbei; dieNacht werde ruhig sein; für unsere Leibwache ist das das Zeichen heimzugehen.

Am Sonntag empfängt die Königin Herrn v. Latour-Maubourg, der zu Fuß kommt,ohne Zweifel um seinen Besuch besser zu verbergen, und der bedauert, mehreren Personenbegegnet zu sein. Wir werden ohne Zweifel niemals erfahren, was er eigentlich sagenwollte; aber Herr Delcinque versichert, am Tag vorher habe der Staatssekretär Bernettischon am Morgen die Nachricht von der Bewegung erhalten, die auf 3 Uhr vorbereitetwerde, und vom Papst verlangt, daß er das Spazierenfähren auf dem Korso verbiete.Der hl. Vater, stets zu sanften Mitteln geneigt, habe zuvor sich geweigert und erst aufdie umständlichen Einzelheiten, die von unserm Gesandten gegeben und bezeugt wurden,nachgegeben.

Herr v. Sainte-Aulaire wußte als ganz sicher, die Verschworenen, etwa 1000 ander Zahl, hätten als Zeichen der Sammlung eine blaue Ceintüre genommen. AlsMasken verkleidet sollten sie sich unter die Menge mischen, die den Korso füllte, und sichder Hecke der auf beiden Seiten der Straße aufgestellten Truppen nähern. Nur miteinem Messer bewaffnet sollte jeder von ihnen auf das Zeichen eines Kanonenschussesauf einen Soldaten stürzen, ihm sein Gewehr entreißen und im Notsall gegen ihn vomMesser Gebrauch machen. Andere hatten die Aufgabe, die Pferdestränge zu durchschneiden,was die Wagen unbeweglich gemacht, eine Barrikade geschaffen und das Eingreifen derKavallerie vereitelt hätte. Die Gegenwart und das Geschrei der Frauen hätten dasBlutvergießen verhindert. Dann hätte man Kokarden verteilt und dreifarbige Fahnen,

' So nannte man die Mutter Napoleons des Ersten.

^ Die Königin hatte Quartier bezogen im Palazzo Ruspoli .