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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

der Bräutigam, man kann's nicht schlechter treffen, an einem Brustübel, das sich mehrereTage hinzog. Sein Zustand verschlimmerte sich während der feierlichen Handlung.Während des Frühstücks, das hierauf serviert wurde und bei dem die jungen Eheleuteden Vorsitz hatten, war er genötigt den Tisch zu verlassen und sich schnell zu Bettezu legen.

Herr v. Bressieux ließ sich am Bett seines Freundes als Krankenwärter und barm-herziger Bruder nieder. Seine volle Hingabe wie die eines eilig herbeigerufenen ArzteSwaren machtlos, die Fortschritte eines Übels zu hemmen, das mit Riesenschritten umsich griff, und den verhängnisvollen Ausgang vor Beginn der Nacht hintanzuhalten.Man denke sich die Bestürzung dieser unglücklichen Braut, die an der Schwelle derHochzeitskammer in ein neues Witwentum sich zurückgeworfen fand; man stelle sich dasErstaunen und die Verlegenheit ihrer Eltern vor, die sich veranlaßt sahen, den Hochzeits-ball absagen zu lassen und die Trauer ihrer Tochter zu verkünden, indem sie ihre Gästeverabschiedeten. Herr v. Bressienx suchte nach besten Kräften den einen und andern dieserschmerzlichen Augenblicke zu mildern. Er übernahm die Besorgung der Vorbereitungenzum Begräbnis und verließ das Haus erst mit dem Sarg des Freundes, dem er dieletzten Liebesdienste erwiesen hatte. Fortgesetzte Beziehungen und eine brüderliche Freund-schaft folgten diesen Prüfungstagen. Das Herz des Herrn v. Bressieux, durch Gewissens-bisse gestählt und durch Unglück gehärtet, schien für immer verschlossen. Das der jungenWitwe, das allen zarten Regungen offen, hängte sich jeden Tag mehr an diesen interessantenMenschen. Er bemerkte es, und da er keineswegs die Absicht hatte, diese entstehendeNeigung zu erwiedern, glaubte er, sein Zartgefühl erfordere es sich zurückzuziehen. Erwar noch nicht in Rom angekommen, als die junge Frau und ihre Mutter ihm schondahin gefolgt waren. Dieser bezeichnende Schritt ließ Herrn v. Bressieux keine andereAlternative als entweder noch einmal zu verschwinden oder hier sein Schicksal zu voll-enden, indem er das Glück derer, die ihn liebte, begründete. So weit waren die Dingegediehen letzte Woche, als er sich der Königin zur Verfügung stellte und ihr das Aner-bieten machte, ihre Leibwache zu sein. Damals hatte ich seine ganze Geschichte erfahren,die mir Herr Hesse, indem er meine Partituren mit mir durchblätterte, unter demSiegel der Verschwiegenheit erzählt hat. Ihre Abreise nach Neapel war von Tag zuTag aufgeschoben worden durch die Unmöglichkeit, in der sich Herr v. Bressieux befand,Rom zu verlassen, ohne einen Bruch und eine Verzweiflungsszene hervorzurufen. Indieser Lage, sagte Herr Hesse, hieß es meinem Freund einen Dienst erweisen, wenn manihn als Schutzwache annahm, weil das ihm gestattete, noch einige Tage zu verlierenund eine ungewisse Lage zu verlängern, aus der er den Ausweg nicht fand.

Herr v. Bressieux bestätigte diesen Ausspruch durch die lange Erzählung, die eruns diesen Abend im Nachtlager von Buonconvento zum besten gab. Er gesteht, gesternnoch sei es ihm ebenso schwierig erschienen, mit der Königin nach Florenz zu reisen, wiemit Herrn Hesse nach Neapel . Aber diese Verwicklung hatte zwischen ihm und der jungenWitwe zu einer Erklärung geführt, und es habe den Anschein, als ob alles bald eineglückliche Lösung finden werde.

Als die Königin sich entschuldigte, ihn nach Toskana entführt zu haben in demMoment, da so dringende Gründe ihn in Rom zurückhalten mußten, hat er ihr imGegenteil gedankt, daß sie ihn aus der Klemme gezogen und von einer Verlegenheitbefreit habe.