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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
Entstehung
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13
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Am Hofe einer Exkönigin.

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Dieser vollendete Edelmann zeigt in allem so viel Ritterlichkeit, hat ein so edlesund zartfühlendes Herz, daß er trotz seiner tragischen Wunde sicherlich wert ist, geliebtzu werden. Die junge Witwe, von der er gesprochen hat, hat sich in ihm nicht getäuscht;aber trotzdem hat sie mit ihren Verlobten rechtes Unglück, und es ist für ihn sehr schwierig,zu einem Entschluß zu kommen!

Mittwoch, 23. Februar.

Die Königin ist von Buoncavento müde und sorgenvoll abgereist. Sie kommtin das Alter, wo die Frauen sich von allem Gespenster bilden und zuweilen inKindertränen verfallen. Sie sehnte sich nach Rom zurück; sie sehnte sich nach Florenz und fürchtete sich doch vor beiden Orten. Für gewöhnlich kamen ihr die Söhne ent-gegen bis zur ersten Poststation, und sie erblickte sie nicht. Der Gastwirt, bei dem wirabstiegen, beruhigte sie einen Augenblick, indem er sagte, sie seien beide wohl und siewürde sie bald sehen. Der Kammerdiener des Prinzen Louis hingegen, indem er einegelernte Aufgabe hersagte, meldete, man habe in Florenz auf die Meldung eines vonRom gekommenen Malers geglaubt, die Königin werde über Perugia reisen. Die Prinzenseien ihr auf dieser Route entgegengereist mit Pässen nach Arezzo . Die Prinzeß Char-lotte, die bald nachher ankam, wiederholte dasselbe mit dem Beifügen, ihr Mann habenur 50 Piaster ^ mit sich genommen; die Pässe seien nicht visiert, und so würden diebeiden Brüder wohl oder übel an der Grenze aufgehalten, um dort ihre Mutter zu er-warten, und es sei leicht, sie durch einen Kurier zurückkommen zu lassen.

Die Königin, ganz bestürzt durch diese Nachrichten, witterte dahinter die Wahrheit,die man ihr nur nach und nach stückweise beibringen wollte. Ihre Söhne waren ver-reist. Sie hatten sich den Insurgenten angeschlossen. Sie hatten es getan, trotzdem siewußten, daß sie nach Florenz komme, und was auch der Diener behaupte, trotzdem siewußten, auf welcher Route. Um dies tun zu können, hatten sie sie eingeladen, Rom zuverlassen. Bis jetzt war sie eine Geisel in den Händen des Papstes. Sie zögerten einenEntschluß zu fassen, der ihr möglicherweise Repressalien zuziehen konnte. Indem sie zuihnen kam, stieß sie sie im Gegenteil nach der Seite der Revolution; sie warf sich selbstder Revolution in die Arme. Sie fand hier die Gefahr, der sie sich hatte entziehenwollen, und zwar um so beunruhigender und drohender, da sie in der Meinung vor ihrzu fliehen, ihr entgegen gelaufen war. Alle. diese Gedanken schlugen den Rest ihrer Kräftedarnieder, indem sie mit einander gegen sie Sturm liefen, und warfen sie zu Boden.Glücklicherweise hatte sie ihren guten Ritter bei sich, Herrn v. Bressieux, den sie zu KönigLudwig ^ schickte, wie sie sagte, um ihn zu beruhigen, vielmehr aber um sich zu erkun-digen. Denn der König, ruhig, wenn auch unzufrieden, wie er war, hatte nicht nötigberuhigt zu werden. Zurückgekehrt, war sein Entschluß gefaßt, sofort über Arezzo nachRom zurückzukehren. Er willigte ein, den Verschworenen Pieoni in seinen Wagen mit-zunehmen. Aber hiezu war eine Änderung im Paß notwendig. Die toskanische Polizei,mit Grund mißtrauisch, machte tausend Einwürfe und erhob tausend Schwierigkeiten.Der an Mitteln unerschöpfliche Herr v. Bressieux vervielfältigte dementsprechend seineAnstrengungen und wurde erst um Mitternacht Herr über all diese Schwierigkeiten.

' Soll heißen Pistolen, Goldstücke L zirka 20 Mark. Vergl. unten Seite 33.

^ Gemeint ist ihr Gemahl in Florenz .