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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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um eine Luft zu atmen, welche die russischen Diplomaten kaum lieben, die Luft derFreiheit.

Seit seinem Besuch war Gortschakof nicht wieder erschienen und, obwohl dieKönigin ihn nicht für feindlich hielt, war sie entschlossen, ihn um nichts zu bitten. DerMinister von Schweden , ein alter, braver Mann, mit Pünktchen auf dem i, könnteuns günstig sein, da seine Souveränin die Schwester der Königin Julie war; aber alsdie Königin ihn sondierte, stieß sie auf Widerstand und hat nicht darauf beharrt.Seither hat eine Unklugheit des Königs Ludwig dieses Geheimnis gelüftet, und amEnde war es besser, wenn aus der Geschichte nichts wurde. Hat er nicht überall gesagt,er schlafe jetzt ruhig, weil seine Söhne schwedische Pässe bekommen würden!

Zurückgefallen in Ungewißheit und Schlaflosigkeit, hatte er sich seither beimMinister von Piemont um Pässe bemüht, die seinen Söhnen gestatten würden, nachder Schweiz zu gelangen, und war auf einen neuen Abschlag gestoßen. Herr Sarow, derösterreichische Minister, hatte aus diesem Anlaß gesagt, die Prinzen würden künftig in >der Schweiz nicht mehr in Sicherheit sein, was verstanden werden konnte als wohl-meinender Wink seinerseits, oder als Ankündigung feindlicher Verfügungen von feitenseines Hofs. Endlich war der Geschäftsträger Frankreichs hier, wie überall der gleich-gültigste und fremdeste von allen.

So war die einzige Zuflucht, die die Königin erhoffen konnte, beim englischenMinister Lord Seymour. Dieser treffliche junge Mann kam, gerufen durch ein Billetvon ihr, nachmittags den 9. Er hatte erraten, daß es sich um die Prinzen handle,und da er glaubte, sie seien schon zurückgekommen, sann er nach, in welchem Winkelseiner Wohnung er sie wohl verbergen könnte. Seine ersten Worte waren, er sei ent-schlossen, alles zu tun, was die Königin von ihm verlangen könnte, und als er wußte,was man von ihm erwartete, antwortete er sofort: „Ja, Madame, ich werde es tun,selbst wenn ich darob meine Stelle verlieren sollte." Man kam überein, ich solltemich brieflich an ihn wenden, indem ich als beiderseitige Bekannte die Dame Hamiltonnenne, für welche ein Paß begehrt werde. Ich soll irgend einen englischen Namenunterzeichnen; so hätte er ein Papier in der Hand, das er den Ministern, deren Visanotwendig waren, nämlich denen von Frankreich und Piemont, zeigen könne.

Donnerstag 10. war ich allein, als er mit dem Paß, den er uns brachte, zurück-kam. Ich dankte ihm warm und fand ihn in allem so gut, so einfach und offen, daßmir die Tränen in die Augen kamen. Er verhehlte mir nicht, daß die Prinzen diegrößte Gefahr liefen, daß die Österreicher alles aufbieten würden, sie gefangenzu nehmen, daß ein Brief aus Rom , den er eingesehen habe, ihm keinen Zweifel lassein dieser Hinsicht. Ich begriff, daß dieser Brief von Herrn v. Lützow, dem österreichischenGesandten, herrühre. Als großer Befürworter der Intervention hatte er sich vorhergefreut über die Gegenwart der Prinzen an der Spitze der Insurgenten. Er sagte, dassei ein easu°! losäoris, und künftig sei sein Hof nicht mehr für Nichtintervention.Diese Worte waren durch den König Jörüme Herrn v Stölting mitgeteilt worden, undsie waren die Ursache der außerordentlichen und nutzlosen Vorsichtsmaßregeln gewesen,die der General Armandi traf, damit die österreichischen Untertanen, die in den Legationenund Märchen wohnten, nicht unter dem Aufstand zu leiden hätten.

Als die Königin erschien, lud Lord Seymour sie lebhaft ein, abzureisen; aber ohne ihralles zu wiederholen, was er mir gesagt hatte. Die Gründe, die er anführte, waren nur