Buch 
Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
Entstehung
Seite
34
JPEG-Download
 

34

F. Schaltegger.

Stephanie von Baden zu melden. Am Montag den 21. haben ihr Neffe Nasponi,Gemahl der jüngeren Tochter Murats, und der Graf Pepoli, unsere Bekanntschaft vonFoligno, der seit wenigen Tagen Präfekt von Pesaro geworden, ihr ziemlich lange Be-suche' gemacht. Gestern den 22. hat sie in ihrem Bett eine Notiz über ihren unglück-lichen Sohn schreiben wollen. Ich habe diese Augenblicke benutzt, um mit Prinz Louiszu sprechen. Er hat mir vertrauensvoll und resigniert von seinem Schmerz gesprochen;ich habe ihn umsomehr bedauert, weil er nicht an die Unsterblichkeit der Seele glaubtund den tröstlichen Gedanken nicht hat, seinen Bruder einst in einer besseren Welt wiederzu finden.

Wir sprachen noch miteinander darüber, als ein Geleitbrief uns von Herrn Pepvlipersönlich überbracht wurde mit der Meldung, die österreichische Flotte sei nach Ancona unter Segel gegangen. Der widrige Wind allein hatte sie bis jetzt zurückgehalten; siedrohte, in Sinigaglia Truppen zu landen und von Ancona alles abzuschneiden, wassich noch in Pesaro befand. Auf diese Drohung packte mau hastig ein, und wir ver-reisten in der Nacht in unserer gewohnten Ordnung, d. h. die Königin und ihr Sohnim ersten Wagen, Fr. Cailleau und ich im zweiten. Unterwegs gewahrte man, daßdie gemeldeten Segel nicht in Sicht waren, und daß die Truppenlandung, mit der manuns erschreckt hatte, nicht in der Absicht der Österreicher zu liegen schien. Sie konntenauch nicht mit Extrapost reisen und uns so schnell verfolgen, wie wir flohen. DieseErwägungen, verbunden mit der Unmöglichkeit für die Königin, eine längere Reise zuertragen, ließen uns in Fano Halt machen. Die Wirtin, schön wie ein Engel, war seitdrei Monaten verheiratet und sehr in Angst um ihren Mann, der sie verlassen hatte,um in der Armee SercognaniS mitzukämpfen. Als die Königin ihr sagte, auf dieser Seitesei es ruhig, antwortete sie mit Tränen in den Augen: „Dort ist's vielleicht ruhig; aber wirsind's nicht." Die Königin fand, sie sehe der Frau v. Brack ähnlich und der Prinz aber,der Frau v. Röcamier.

Karl, der uns vorgestern morgen einholte, im Augenblick, als wir Fano verließen,kam in der Nacht von Forli , wo er der Beisetzung des Prinzen Napoleon beigewohnthatte. Eine Messe war in der Kathedrale mit großem Pomp gelesen worden. DerGeneral Grabinski, der Oberst Cataneo führten das Leid an der Spitze der ganzenNationalgarde mit Florarmbinde, der Priester und Bruderschaften, endlich der Bewohnervon Stadt und Land. Der Sarg war in einer Kapelle aufgebahrt, von wo KönigLudwig ihn nach Florenz wird bringen lassen. Kaum war die Feierlichkeit beendet, alsalle Teilnehmer am Zuge heimkehrten, um sich zu verbergen oder verkleidet die Fluchtzu ergreifen. Die Österreicher marschieren auf Forli , wo ihr Einmarsch auf den 24.morgen vorgesehen ist.

Diese peinlichen Einzelheiten vermehren die Traurigkeit des Prinzen Louis. Wirfahren ganz nahe am Meere hin; die bewegten Wellen bespritzen uns mit ihrem Schaumund wiegen uns mit ihrem melancholischen Geräusch. Als wir Sinigaglia, eine hübscheHandelsstadt, einmal hinter uns hatten, erblickten wir bald Ancona , das von dieserSeite gesehen wohlgelegen und gut gebaut scheint. Auch hier sollte die Königin nocheinmal im Palast Leuchtenberg übernachten; Herr Bendoni, der diesen Palast führt, undder General Armandi erwarteten sie bei der Ankunft. Auch ihren Neffen Cameratahat sie empfangen; dieser Besuch war eine neue grausame Anfechtung, die sie zumBewußtsein ihrer Trauer brachte. Kurz darauf hat der Graf durch eine Gouvernante