Am Hofe einer Exkönigin.
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waren und wo sie in Ermanglung einer Polizei den Beleidigungen und Gewalttätig-keiten des Pöbels ausgesetzt waren.
Wir hatten die Abruzzen verlassen, um in die Apenninen einzudringen. UnserNachtlager war in Serravalle, einem elenden Dorf, dessen Name (Talenge) dieLage sehr gut schildert. Heute morgen nach 7 Uhr begaben wir uns wieder auf denWeg, im Augenblick bereit; denn wir hatten am Abend vorher Toilette gemacht undhatten vorsorglich uns in den Kleidern niedergelegt. Die hübsche kleine Tochter desGastwirts war aufgestanden, um unsere Abfahrt mitanzusehen.
Ein gotisches Schloß bezeichnet bald die Grenze zwischen der Mark Ancona undUmbrien . Wir durchfahren von neuem die Case nuove und schließen so den grausamenKreis, den wir am 19. März durch die Begegnung mit Herrn Baratti begonnen hatten.Nur 16 Tage waren seither verflossen; aber welche Veränderung war unterdessen ein- ,getreten! Foligno , wo wir ankommen, ist wieder in der Gewalt des Papstes. Das istein für den Prinzen besonders gefährlicher Punkt, da ihn hier jedermann kennt. Wirlassen ihn im Wagen der Frau Cailleau Platz nehmen und schließen ihn einwenig ein;er bedeckt sein Angesicht mit einem Taschentuch und tut, als ob er schlafe. Wir ver-bringen in Ängsten die Viertelstunde, die Karl braucht, um unsere Pferde an die Toreder Stadt zu bringen und die Postillone zum Anspannen anzutreiben.
Endlich Perugia ! Erschrocken gewahren wir die ganze Bevölkerung auf den Beinen,in der ungeduldigen Erwartung der Österreicher, die sie näher glaubt.
Wir beruhigen uns dann bei der Nachricht, die provisorische Regierung sei heutemorgen verschwunden, um durch Toskana nach Livorno zu gelangen, und eine päpstlicheBehörde sei noch nicht eingesetzt; es sei somit auch niemand da, um uns nach unsermPaß zu fragen. Glücklicherweise regnet es, und der Prinz kaun auf seinen: Sitz seinAntlitz hinter dem Regenschirm verbergen.
Asciano, 5. April.
Um 1 Uhr heute morgen haben wir die toscanische Grenze überschritten. Dadieser Übergang für den Prinzen sehr gefährlich war, wollte die Königin ihn nur mittenin der Nacht wagen und hatte alles hiefür berechnet. Wir überschritten den Sanguinettobei den letzten Strahlen des sinkenden Tages. Der Prinz machte mir über das Schlacht-feld Haunibals einige Bemerkungen, denen zu folgen ein Anfall von Migräne michhinderte, und schrecklich unpaß lege ich mich in der Herberge zur Ruhe, wo wir denletzten Halt auf römischem Boden machen.
Da gab es ein neues Abenteuer: Der Gastwirt erkannte uns alle, selbst den Prinzen;aber die Geistesgegenwart Karls und die Unverfrorenheit, mit der er zu lügen versteht,retteten uns aus dieser Falle. Er behauptete mit frecher Stirn, der sogenannte Prinzsei ein Diener und erzählte umständlich die Geschichte von seiner Einschiffung nach Korsu.Der Mensch ließ sich nun irreführen oder tat wenigstens so; gleichwohl weigerte er sich,an die Einschiffung des Prinzen zu glauben; er hätte ihn, wie er sagte, vor zwei Tagenin der grünen Kalesche vorbeifahren sehen.
So erfuhren wir, daß Herr Bressieux diesen Wagen nach Florenz zurückgeschickthatte. Allein das hatte jetzt wenig zu sagen, da der Plan der Königin ja darin bestand,diese Stadt zu meiden und sich auf die Seite von Siena zu werfen, sobald wir in Toscana
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