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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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ES war in Savona ; wir kreuzten eine Kalesche auf so enger Straße, daß dieser Wagen,um uns passieren zu lassen, sich in einen Torweg werfen mußte. Herren und Dienerhalfen den Pferden und schoben an den Rädern, um von da loszukommen. DieKönigin belustigte sich an dieser Szene, die einen guten Vorwurf gab für eine Seiteim Album, und erkannte zuerst ihre Patin, Madame Thayer, eine Tochter des GeneralsBertrand.

Aber die Bedienten des Herrn Thayer hatten auch die unsrigen erkannt, mitdenen sie sich gut vertragen hatten anläßlich des Aufenthalts ihrer Herrin auf Arenen-berg im Jahr 1829. Sie werden kaum gewußt haben, was sie sich dabei denkensollten, die Königin auf dem Weg nach Frankreich zu sehen. Allein es kommt wenigdrauf an, was sie dazu sagen werden. Denn da Herr und Frau Thayer mit ihren eigenenPferden reisen, also in kleinen Etappen, werden sie nicht vorher in Florenz sein, bevor'wir in Paris angekommen sind. Und der Brief, den die Königin von Genua ausan ihren Gatten geschrieben und den sie aus Vorsicht durch einen Bankier von Li-vorno besorgt hat, wird vor ihnen anlangen. Sie wiederholt darin die Fabel vonihrer Einschiffung in diesem Hafen in der Kajüte eines Kohlenbunkers, den ihr Karlentdeckt hatte, und von ihrer Reise nach Malta , wo sie angeblich den Prinz Louis ab-holen und mit ihm nach London gehen will. Dieser Roman wird in Toskana allgemeingeglaubt werden, wenn unsere Reisenden dort anlangen werden.

Am andern Tag, Dienstag 12. April, folgten wir noch von Albenga aus dieseselbe Straße der Corniche, wo jeder Schritt neuen Grund bildet, um in Entzückung zugeraten. Der Anstieg nach Ventimiglia ist steil und sehr gefährlich; man mußte einDutzend Männer nehmen, welche die Wagen in den schwindelerregenden Kehren mit derHand schoben. Diese ganze Partie war unter dem König von Sardinien erstellt worden;sie ist lange nicht so schön wie die, welche der Kaiser hat erstellen lassen.

Als wir nach Mentone kamen, an der Grenze von Monaco , machte man unszum erstenmal ziemlich lächerliche Zoll- und Paßschwierigkeiten. In Nizza hatten wiranderntags eine neue Not. Karl hatte vernommen, acht Kuriere seien beisammen inErwartung von Reisenden aus Italien . Mehrere dieser Leute hatten der Königin ge-dient und konnten sie erkennen. Deshalb betraten wir die Stadt in Vermummung.Ich saß als Kammerfrau auf dem Bock. Frau Cailleau, hinter einem Mousselinschleierverborgen, hatte mit dem Prinzen im zweiten Wagen Platz genommen. Alles ging sehrgut vorüber, da Karl die acht Kuriere zum Frühstück einlud. Schon war alles umuns her französisch, wenigstens in der Erinnerung. Aber erst am andern Tage betratenwir klopfenden Herzens die Grenze auf der langen hölzernen Brücke, die den Bar über-brückt. Die Königin, im vollen Bewußtsein ihres neulichen Unglücks, empfand nurStaunen und Besorgnis, als sie Frankreich wieder sah. Sie hatte 16 Jahre darum geweint;noch letztes Jahr, als sie sich nach Baden begab über das rechte Rheinufer, hatte sie dielebhafteste Bewegung empfunden, als sie die Kreuzblume des Straßburger Münsters vonweitem sah, und damals das Gelübde getan, nach Rueil zurückzukehren, um noch einmal amGrabe der Kaiserin Josephine zu beten. Vielleicht wird dieser Wunsch in wenigen Tagenerhört, und dennoch denkt sie nur an die Kapelle in Forli , wo der Leichnam ihres Sohnes,des unglücklichen Napoleon-Louis , eines seiner würdigen Begräbnisses harrt.

Der Prinz vergoß heiße Tränen und fühlte, wie seine Freude, in Frankreich zusein, getrübt wurde durch den Gedanken, daß sein Bruder hier nicht bei ihm sei. Dieser