Am Hofe einer Exkönigin.
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Ganz bewegt kam der Prinz in den Gasthof zurück und beeilte sich, mit Tränenin den Augen, der Mutter von der Begegnung zu erzählen. Zum ersten Mal in seinemLeben befand er sich inmitten französischer Offiziere und das erste Wort, das dieseOffiziere an ihn richteten, ohne ihn zu kennen, war eine Erkundigung nach ihm. Abendszeigte er uns den Entwurf zu einem Briefe, den er an Louis Philippe schreiben wollte,und in welchem er um eine Stelle in einem Negimente bat, um als einfacher Soldatzu dienen. Dieser sehr gut geschriebene Brief atmete die edelsten Gefühle. Wir billigtenihn vorbehaltlos, obschon wir ihm die Schwierigkeiten nicht verhehlen konnten, die ihnhindern würden, seine Absicht zu verwirklichen, und die Notwendigkeit betonten, den Plander Königin zu befolgen, der die Vorhand hat.
Fontaincbleau, Freitag 22. April.
Montag den 18. machten wir alle Toilette, bevor wir in Lyon ankamen. Ein kleinerÜberrock, den ich zum ersten Mal anzog, trug mir Komplimente über meine Eleganzein; aber noch mehr fühlte ich mich geschmeichelt und war noch stolzer als Französin,als der Prinz die Ausdehnung und Schönheit der Stadt Lyon bewunderte.
Kaum hatte er den Wagen verlassen, als er sich auf Entdeckungsreisen den Quaisund Straßen entlang begab. Die Königin blieb zu Hanse . Auch ich machte nach solangen Wagenfahrten von dem Recht der Frauen, müde zu sein, Gebrauch. Ich benutztediesen Augenblick, um alle meine Aufzeichnungen über Italien für meine SchwesterFanny einzupacken. Nachdem ich dieses Paket im Bureau der deutschen Post abgegebenund einen Sack voll Wäsche nach Etoile gesandt hatte, traf ich Anstalten, die Briefe,die mich allfällig in Lyon postlagernd treffen sollten, mir an die Adresse Me. Cailleau Paris ,Rue Lasitte Nr. 7, nachsenden zu lassen. Dann blieb mir nichts mehr zu tun, als zuwarten, was mir die Königin befehlen würde. Abends bekam sie Lust, eine Omnibusfahrtzu machen, und so kam es, daß meine Zeit verstrich, ohne daß ich Lyon gesehen hätte.
Wir verließen die Stadt am folgenden Morgen bei schlechtem Wetter. Da dieKönigin mit ihrem Sohne zusammen reiste, um mit ihm Abrede zu treffen, war ich imzweiten Wagen mit dein galanten Herr Zappi, aber leidend, verdrossen und gar nichtaufgelegt, seine Spässe amüsant zu finden. Er setzte meine Kälte auf Rechnung meinerstrengen Erziehung. Meine Migräne war eine Schutzwehr gegen meinen unternehmendenGefährten. Ich zog mich frühe zurück an den beiden Nachtlagern von Roanne und Monlins.Nach einer kleinen Ohnmacht, die ich am Donnerstag kurz vor der Ankunft in Briare bekam,ließ er mich in Ruhe mit meinem Harm und kümmerte sich nur noch um meine Gesundheit.
Wir merkten schon die Nähe von Paris an der Unruhe, die sich der Königinbemächtigte. Es hatte in der Hauptstadt einige napoleonistische Unruhen gegeben; dieseStraßenagitativn, die sie für unnütz und zwecklos hielt, schien ihr nur geeignet, ihreeigenen Projekte zu durchkreuzen. Nemours erinnerte sie an ihre Begegnung mit ihremBruder Eugen im Jahr 1809: Auf Befehl des Kaisers kam er aus Italien zurück, undsie ging ihm entgegen, um ihn zu benachrichtigen, daß die kaiserliche Ehescheidungbeschlossen sei, daß ihre Mutter darin einwillige, daß er seinerseits auf den ThronItaliens verzichten müsse, sie auf denjenigen Frankreichs , dessen einziger Erbe damalsNapoleon-Louis war.
Fontaincbleau war für sie noch reicher an Erinnerungen. Sie fürchtete, den Palastdurch die Bonrbonen ganz in Unordnung zu finden; aber mit Ausnahme der Diana-