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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger

und Lakaien trugen Blumen im Knopfloch. Es waren diejenigen der Reform-freunde. Ihre Zahl war aber nicht sehr beträchtlich und man sah schon, daßhier, unter den Hofleuten, die öffentliche Meinung sich ein wenig anderskundgab als in Canterburys Straßen.

Herr Fox, durch ein Briefchen der Königin benachrichtigt und ganz glück-lich, sie wiederzusehen, ist noch am gleichen Tag gekommen und hat mit unsgespeist. Dann ging er Lady Dudley Stuart holen. Das ist jene Christine, Tochtererster Ehe des Lucien Bouaparte und Schwester der Prinzeß Gabrieli . Zuerstan den schwedischen Grafen Arved Posse vermählt, ließ sie sich bald wiedervon ihm scheiden. Ich war ihr nicht gram, daß sie die Königin den ganzenAbend in Beschlag nahm, während der Prinz mit Herrn Fox ausging; auchnicht, daß sie heute wiederum die Königin abholte, um ohne mich mit ihrWohnungen zu besichtigen. Als Dame von Welt wunderte sie sich, daß dieKönigin um elf Uhr vormittags schon wieder munter sei, nachdem sie erst umvier Uhr zu Bett gegangen. Sie hatte einen Versuch gemacht, aufzustehen.Für gewöhnlich verläßt man in London das Bett nicht vor fünf nachmittags.Dies ausschweifende Leben scheint eigens dazu gemacht, um Lord Dudley zuGrunde zu richten. Ein interessanter junger Mann, dessen schwindsüchtigesAussehen mir Sorge bereiten würde, wenn er mir teuer wäre. Für Christineist er der Mustergemahl und für seine Tante, die Königin, das Muster einesNeffen. Da er für heute Abend eine Gesellschaft znm Diner geladen hat, be-dauerte er, daß sie nicht dabei sei.

Das ist der Anfang der Einladungen, mit denen sie bombardiert zu werdenfürchtet, und denen sie nicht mehr ausweichen kaun, sobald einmal ihre Anwesenheit in England bekannt werden wird. Erst gestern wurde die Neuigkeit ineinigen Salons bekannt und heute Abend kommt schon die Gräfin Glengall.Für die Königin ist sie eine alte Bekannte von Plombieret znr Zeit des Friedensvon Amiens . Sie trägt noch Spuren einstiger.Schönheit, tritt mit großerSicherheit auf, da sie sich lange Zeit in der großen Welt bewegt hat, undverfügt über eine gewaltige Suada, die sich in Strömen über uns ergoß bisum' elf Uhr, wo sie sich auf den Ball des Herzogs von.Dcvonshire begab.

In Paris beging sie unter dem Konsulat unzählige Torheiten, und siehat die Mode der sichtbaren Strümpfe und Schuhe wieder in der Gesellschafteingeführt. Sie ritt durch verbotene Alleen. Eines Tages, als sie deswegenzur Wache geführt worden war und der erste Konsul ihr darüber Bemerkungenmachte, antwortete sie ihm, sie tue gerne, was verboten sei. „Nun dann", gaber ihr sofort zur Antwort, „dann gebe ich Ihnen die Erlaubnis, alles zutun, was Ihnen gefällt." Er glaubte damals, sie sei in die Geheimnisse derDiplomatie eingeweiht, was aber nicht der Fall war, und was sie jetzt be-dauert, denn sie hätte ihn auf diese Weise besser kennen lernen und eine Rollebei ihm spielen können. Sie erinnert sich, daß sie sein schönes Profil einesrömischen Kaisers am meisten bewundert habe, das sich so gut für die Sculptureignete, und die schönen Zähne, die er sehen ließ, wenn er lächelte, und daß

* Hortense brauchte die Bäder von Plombidres 1809 und 1814.