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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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21
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Am Hofe einer Exkönigin.

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sendet, und, da ich so glücklich war, ihr einige Wendungen, mit denen siezufrieden ist, beizutragen, habe ich sie vermocht, sie zu unterzeichnen undzu versiegeln. Im übrigen rechnet sie auf einen Kreditbrief, auf den dieGebrüder Devaux sie warten lassen. Sie hofft auch, sich hier außerordent-liche Hilfsquellen zu eröffnen durch den Verkauf des Krönungshalsbandes.Ein Herr Taylor, der ehemals im Dienst der Kaiserin Jvsephine stand, istmit diesem Geschäft betraut.

Ihre unsichere Lage gestattet ihr nicht, Verschwörer zu besolden. Gleich-wohl beginnen Verschwörer sich ans Bett des Prinzen zu schleichen. Einitalienischer Flüchtling namens Mirandoli, hat sich ihm als Freund des armenNapoleon vorgestellt. Dieses Paßwort hat ihm die Piorte geöffnet, und dieKönigin selbst konnte sich nicht versagen, ein: Unterredung mit dem Menschenzu haben, nach welcher sie ganz verstört und in Tränen aufgelöst war.

Bald entpuppte er sich als ScNdling eines Herrn Lennox, eines neuenBonapartisten und Korrespondenten des Prinzen Achill in Paris . Prinz Louis,der sich weigerte, in diesen Handel verflochten zu werden, hat sehr weise' geant-wortet- die Dinge dieser Welt interessierten ihn nicht mehr; in den unglück-lichen Umständen, in welchen er sich befinde, habe er keinen persönlichen Ehr-geiz mehr; nie werde er Unruhe oder gar Krieg in sein Vaterland tragen.Gleichwohl gab sich Mirandoli noch nicht für besiegt. Zwei Tage nachher,als ich der Königin, die eben aufstand, zwei Briefe brachte, die ich in ihremAuftrag geschrieben, war sie gerade im Begriff, zwei große Plakate zu entfalten,welche ihr Sohn ihr gebracht hatte. Es wärest Proklamationen, vom 28. Mai1831 datiert sie waren also zum voraus gedruckt worden - und unterzeichnet:Lennox, Bataillonschef a. D., Rue Montmartre. Ein Brief, von gleicher Handgeschrieben, der dabei lag, ließ ihn diesmal in die Karten schauen: er ver-langte ein Handgeld von 25 000 Franken monatlich, um dies sein Komplött-chen in Fluß zu bringen.

Ich machte sofort auf die Gefahr aufmerksam, welche derartige Korrespon-denzen der Königin bringen müßten, und auf die Notwendigkeit für sie, kurzenProzeß zu machen. Aber ich fand sie hierin nicht so fest, wie ich gewünschthätte.Was wollen Sie," gab sie mir zur Antwort,das macht Louis Freude."Sie fügte hinzu, ihr Sohn bekomme wieder Leben, seit man in seiner Umgebungpolitisiere, und sah in der Aufregung der Jntrige ein Mittel zur Heilung.Zum Glück erlaubt uns die Besserung seiner Gesundheit, mit ihm in der Stadtzu spazieren, und sie zu zerstreuen, indem man ihn herumführt. Vom Themse-tunnel laufen wir zur Rotunde des Regents Park. Dieses Gebäude gleicht demPantheon in Rom . Man sieht darin das Kosmorama von London , wie maues von der Kuppel der St. Paulskirche aus sehen würde. Um den Neugierigendie Mühe des Treppensteigens zu ersparen, haben die Engländer, fruchtbarwie immer in mechanischen Erfindungen, eine ungeheure Schnecke erfunden,in deren Innerem ein kleiner Sitz gleich einem Gondelkäfig emporsteigt undzugleich sich dreht. Man braucht nur sich hineinzusehen, um sich bis zur Laterneder Kuppel emportragen zu lassen.