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wollte. Sein erster Gedanke war, davon alle Wocheneinige Zehner zu nehmen und sich allerlei gute Sachenzu kaufen.
Wird dann aber auch, war sein zweiter Gedanke,deine Mutter damit zufrieden sein, wenn du es zu sol-chen Dingen verwendest? Deine arme Mutter, die essich so sauer werden lassen muss, dich und sich selbstzu ernähren ? 0, dies gab mir ein guter Geist ein;denn jetzt weiss ich, was ich mit diesem meinem zumersten Male selbst verdienten Gelde anfangen soll.
Hierauf ging Karl mit schnellen Schritten nach Hause,trat mit freudestrahlenden Blicken zu seiner Mutter unddrückte ihr die zwei Franken mit den Worten in dieHand: „Hier, liebe Mutter! ist das erste Geld, das ichmir durch meinen Fleiss erworben habe. Du hast michschon so viele Jahre durch deiner Hände Arbeit ge-speiset und gekleidet. Nimm jetzt dieses Geld und tuedir etwas zum Besten damit.“
Der Mutter stürzten vor Freuden die Tränen ausden Augen; sie konnte vor Rührung nichts darauf ant-worten und drückte den guten Sohn voll innigster Liebean ihr mütterliches Herz.
Die Seligkeit, welche der Knabe dabei empfand,lässt sich nicht mit Worten beschreiben; aber nachem-pfinden können diese süsse Seelenfreude alle jene Kinder,die wie Karl gegen ihre Eltern gesinnt sind und sichzeitlebens befleissen, diesen ihre Liebe und treue Sorg-falt, so oft sie nur können, dankbar zu vergelten.
22 Per Samstag.
Die fromme Mutter Gertrud betete alle Abende mit denKindern, bevor sie dieselben zu Bette brachte. Dann erforschtesie auch mit jedem Kinde das Gewissen über die Fehler, diees während der Woche begangen, und mahnte es mit einemschönen Zuspruch zur Besserung. Sie fing beim kleinsten an